Archiv der Kategorie 'Buchbestand'

Verfassungsschutz Thüringen? Verbieten!


Mit jedem Detail, dass über die Nazi-Mordserie der letzten Jahre ans Licht kommt, stellt sich mehr die Frage nach der Rolle der bundesdeutschen Behörden, speziell des Thüringer Verfassungsschutz im Netz des rechten Untergrundes. Die Broschüre „Der Verfassungsschutz in Thüringen“ aus dem Jahr 2000 hat schon damals umfangreich begründet, warum Auflösung die einzige Lösung für das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz ist. Zu haben im Infoladen Sabotnik oder hier online (330kb PDF).

Inhalt:

  • Wer schützt uns vor diesen Verfassungsschützern? Warum Auflösung die einzige Lösung für das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz ist.
  • Die letzten Jahre im Amt
  • Den Ideologierahmen nachliefern? Wegschauen, verharmlosen, belohnen – Das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz und die extreme Rechte
  • Wertesystem nicht in Ordnung
  • Gefährliche Interpretation
  • Rechte Spitzel des Verfassungsschutzes – nicht nur in Thüringen
  • Die Extremisten-Theorie – Bericht des Landesamtes für Verfassungsschutz 1999
  • „Arbeitsname Angelo“ – In Thüringen werden Gewerkschafter und Antifas bespitzelt und diffamiert
  • Beobachtungsobjekt IL Sabotnik
  • Zum Weiterlesen

Ergänzung: Auch das DISS gräbt alte Broschüren aus: Hier gibt es die Studie V-Leute bei der NPD aus dem Jahr 2002 zum Download.

Antifa – Geschichte und Organisierung

Buch: Antifa - Geschichte und OrganisierungHört man das erste mal von einem Buch über die Geschichte der Antifa stellt sich die Frage was denn da mit Antifa gemeint sein könnte. Und ob es überhaupt eine Geschichte geben kann, bei den unzähligen Ansätzen, Strömungen und Ausrichtungen die sich alle als antifaschistisch bezeichnet haben und Heute noch bezeichnen.

Diesem Problem sind sich die Autoren_innen des kürzlich in der Reihe theorie.org des Schmetterling Verlags erschienenen Buchs über die Geschichte der Antifa durchaus bewusst. „Es gibt also nicht die Geschichte einer Bewegung, sondern nur Geschichten, von denen wir eine darstellen und uns bewusst sind, dass andere sie ganz anders erzählen würden.“ schreiben sie schon in der Einleitung. Welche Strömung sie in dem Buch beleuchten wollen wird mit dem Zitat von Max Horkheimer: „Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen“ umschrieben. Es geht also um die Strömung der Antifa die neben dem Faschismus selbst auch immer seine Ursachen und Gesellschaftliche Wurzeln in den Blick genommen und bekämpft hat.

Das Buch beginnt bei der Novemberrevolution 1918, dem Widerstand der Roten Ruhrarmee gegen den Kapp-Putsch und der Ausrufung der Antifaschistischen Aktion 1932 durch die KPD. Über die Zerschlgung im Nationalsozialismus, der 68er Bewegung, den Autonomen der 80er Jahre, der AA/BO (Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation) in den 90ern bis zur heutigen Ausdifferenzierung der Szene, zeichnet das Buch das Bild einer Bewegung die sich viel zu selten ihrer eigenen Geschichte bewusst ist. Und dabei ist „[d]as Wissen um die eigene Geschichte – um bereits erarbeitete oder zu verwerfende Theorien und Strategien, geführte Kämpfe, deren Erfolge und Niederlagen – […] entscheidend, um das Rad nicht immer wieder neu erfinden zu müssen, sondern die Entwicklung einer gesellschaftlich wirksamen, emanzipatorischen Bewegung vorantreiben zu können.“

Antifa – Geschichte und Organisation steht ab jetzt im Infoladen, zu finden unter der Signatur RA75.

Bildung zu Kapitalismus und Kapitalismuskritik

Die 102seitige Broschüre „Bildung zu Kapitalismus und Kapitalismuskritik. Methoden, Fallstricke, Rezensionen, Texte“ sammelt Aktivitäten und Methoden, Hintergrundtexte und Rezensionen weiterer Bildungsmaterialien zur Thematisierung von politischer Ökonomie in der Bildungsarbeit. Das Heft erklärt nicht wirklich, was Kapitalismus ist oder gar wie man ihn abschaffen kann, bietet aber Anregungen zur Auseinandersetzung mit Ökonomie abseits des Lesekreis – gegen den natürlich im Grunde nichts einzuwenden ist.

Die Einleitung gibt es online zu lesen im Polök-Wiki, wo auch noch viele weitere Materialien zu Kapitalismuskritik in der Bildungsarbeit zur Benutzung, Bearbeitung und Diskussion online stehen.

Die Broschüre ist für 3€ zu haben im Infoladen.

testcard #20: access denied

Die Testcard ist eine poplinke Zeitschrift, die von der Ausrichtung den Platz einnimmt, wo die SPEX vielleicht früher mal war: Popkultur diskutieren und den Popdiskurs von links politisieren. Oder so. Ausgabe 20 widmet sich dem Thema „Access Denied. Ortsverschiebungen in der realen und virtuellen Gegenwart“.
Es gibt u.A. ein Manifest, mit dem sich das Hamburger Gängeviertel gegen die Vereinnahmung durch das Stadtmarketing verwehrt, ein Gespräch über Pop, zwei Nachrufe auf Martin Büser (dessen Werdegang eng mit der Testcard verwoben war), ein Interview mit der Jugend von Heute (zwei 11- und 12jährige sprechen über ihren Musikkonsum), dazu natürlich einen Sack voll Rezensionen von Büchern, Platten, Videos — und ja, das ist so eine Zeitschrift, wo auch mal was verrissen wird!
Im Infoladen zu lesen unter Signatur Mu-22 — oder als Verkaufsexemplar für 15€.

Auszug aus der Gesellschaft? Nie wieder Gemeinschaft?

Gesellschaft und Gemeinschaft sind zwei vor allem in Deutschland heiß diskutierte Begriffe dafür, wie sich Menschen aufeinander beziehen bzw. beziehen sollten. Das Ideal der Gemeinschaft bedeutet, dass Menschen empathisch miteinander umgehen, einen gemeinsamen Willen entwickeln, kollektiven Ansätzen nachgehen und teilen statt tauschen. Der Gegenbegriff „Gesellschaft“ setzt hingegen auf den Konflikt, die Differenzierung und darauf, sich funktional, kühl und abschätzend aufeinander zu beziehen. Man könnte ganz vereinfacht sagen, Arbeit ist Gesellschaft, Familie ist Gemeinschaft.

Für beides gibt es gute und schlechte Gründe: Gemeinschaft bedeutet Solidarität und Kollektivität, aber auch Volksgemeinschaft, klebriger Zwang und nie alleine sein. Gesellschaft erlaubt, dass man Konfklikte zulässt, statt sie mit Zwangsgemeinschaft zu deckeln, bedeutet aber auch, dass man andere Menschen eher als Mittel sieht denn als Zweck. Entsprechend gibt es linke VerteidigerInnen der Gesellschaft sowie rechte FreundInnen der Gemeinschaft — und andersherum.

In den letzten Jahren wird die Debatte in Deutschland besonders erbittert geführt: Teilen der Antideutschen Linken gilt der Bezug auf Gemeinschaft per se schon faschistoid. Eine hoffentlich etwas sorgfältigere Diskussion findet man in dem Band „Auszug aus der Gesellschaft? Gemeinschaft zwischen Utopien, Reform und Reaktion“ von Gert-Joachim Glaeßner und Klaus-Jürgen Scherer. Das Buch diskutiert den Gemeinschaftsbegriff sozialwissenschaftlich. Es geht auf seine reaktionären Ausformungen ein, will aber auch die Potentiale erschließen, die Gemeinschaftlichkeit für soziale Bewegungen entfalten kann.

Wer’s also lesen (und vielleicht eine richtige Rezension schreiben) will: Signatur ACT09 im Infoladen.

Wir erfassen gerade unseren Buchbestand elektronisch und weisen dabei in loser Folge auf besonders bemerkenswerte, skurrile oder lesenswerte Bücher hin.

Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat

„Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ ist ein Klassiker des Individualanarchismus. Der Autor Henry David Thoreau hatte 1845 die Schnauze voll vom Staat und zog in eine Hütte im Wald. Dort schrieb er „Walden“ — auch ein Klassiker. Später hielt er Vorträge, die er irgendwann zu einem Essay namens „Civil Disobedience“ zusammenfasste. Dieser Titel (dt. Ziviler Ungehorsam) wird später zur Bezeichnung einer ganzen Traditionslinie des Widerstands, die sich weniger auf den bewaffneten Kampf als auf den bewussten und offenen Verstoß gegen Gesetze verlässt und oft die Verhältnisse nicht umstoßen, sondern verbessern will. Der Anfang des Essays wurde von einem unbekannten Künstler vertont:

Download (.mp3)

Die deutsche Übersetzung des berühmten Essays heißt „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ und ist im Infoladen zu haben unter der Signatur A15.

Wir erfassen gerade unseren Buchbestand elektronisch und weisen dabei in loser Folge auf besonders bemerkenswerte, skurrile oder lesenswerte Bücher hin.

Marx-Engels-Werke: Über 30 Bände zu verschenken

Ergänzung: Die Bücher sind vergeben. Das ging schnell.

Durch eine großzügige Spende haben wir jetzt den größten Teil der blauen Dietz-Ausgabe der Marx/Engels-Werke doppelt. Das bedeutet geschätzte 40kg solide Theorie, die hier leider im Weg rumstehen. Wer möchte, kann gerne die ganze Kiste oder einzelne Werke daraus mitnehmen. Ach ja: Band 3, 24, 25, 26 sind nicht dabei.

Anarchie ist drin, Frau Nachbarin

Mensch kennt das: Kaum sagt jemand Anarchie, erwiedert wer anderes „Das geht doch sowieso nicht“. Womit die Diskussion sogleich ins Reich der Hypothesen und Visionen verwiesen wäre — wenn es nicht gleich darum geht, sich darüber zu streiten, ob Machbarkeit nicht schon ein Problem per se ist. Als Beleg für die konkrete Machbarkeit anarchistischer Entwürfe zieht mensch dann vielleicht noch die Machnowstschina oder Spanien 1936 heran. Wissen darüber, wann und wo Menschen sich entschlossen haben, ohne Staat und Herrschaft zu leben und wie sie dann ihre Angelegenheiten geregelt haben, gibt es kaum.
Wer das bedauert, kann sich im Infoladen das Buch „Völker ohne Regierungen. Eine Anthropologie der Anarchie“ ausleihen. Das stellt aus anthropologischer Sicht fast 30 Konstellationen vor, in denen sich Menschen ohne Regierung und Staat organisiert haben. Dazu gibt es einen 50seitigen Theorieteil „Über das Wesen der Anarchie“. Das Bändchen ist (wie fast alle Bücher hier) schon etwas angestaubt, was man auch am Begriff „Völker“ merkt, den heute wohl kein anarchistisches Werk im Titel führen würde. Auch ist es sicher möglich, dass der anthropologische Blick zu Eurozentrismus und zur Romantisierung des „einfachen Lebens“ neigt und dass bei weitem nicht alle vorgestellten Modelle sonderlich emanzipatorisch sind.
Aber Egal. Wer nach Antworten auf die Aussage „Das geht doch sowieso nicht“ sucht, kann das Buch ja ausleihen und lesen. Und eine richtige Rezension schreiben. Oder eine kleine Lesung im Veto machen.

Harold Barclay; Völker ohne Regierung. Eine Anthropologie der Anarchie. Berlin 1985. Signatur A19

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