Archiv für Oktober 2019

Samstag (26.10.) gegen die AfD in Erfurt

Verschiedene Gruppen mobilisieren dazu, am Samstag (26.10.) gegen den Wahlkampfabschluss der AfD in Erfurt auf die Straße zu gehen. Die Demo „Aufstehen gegen den Rechtsruck“ trifft sich um 15 Uhr am Bahnhofsvorplatz. Seid dabei!

Bilder von der AMMSM-Demo

Viele Bilder von der Demo „Alles muss man selber machen“ am 12.10.2019 finden sich bei backstreetnoise und Lionel C. Bendtner. Vielen Dank an die Fotograph*innen, hier eine kleine Auswahl:



Film- und Diskussionsabend morgen (Dienstag) 19.30, nicht 18.30

Wir sind verwirrt, jetzt aber richtig:
Ganz kurzfristig, bitte weitersagen: Unser Film- und Diskussionsabend zum Thema „Immer busy“ (mit Passagen aus dem sehr sehenswerten Film „Frohes Schaffen — Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral“ findet morgen (Dienstag, 22.10.2019) um 19.30 Uhr im veto statt — nicht um 18.30 Uhr wie verschiedentlich angegeben…

Drei Politisch motivierte Sachbeschädigungen vor der Wahl

In den letzten Tagen gab es in Thüringen verschiedene, vermutlich politisch motivierte, Sachbeschädigungen.

Von „Drohungen gegen Thüringer FDP-Chef“ spricht die Thüringer Allgemeine im Zusammenhang mit einer Sprüherei an Thomas Kemmerlichs Haus in Weimar am vergangenen Mittwoch. Das dazu abgebildete Grafitty legt nahe, dass die unbekannten Sprayer*innen dem FDP-Politiker vorwerfen, der AfD Vorschub zu leisten: „Wer die AfD unterstützt, der ist unser Feind“. Evtl. bezieht sich das auf die autoritaristischen Parolen, die die Thüringer FDP im Wahlkampf nutzt — mehr Geld für die Polizei, mehr Kontrolle für Schüler*innen, etc.

Eine DPA-Meldung von gestern berichtet, in Reinsdorf (in der Nähe von Sondershausen) sei ein AfD-Wahlkampf-Lastwagen abgebrannt. Dort heißt es: „Die Polizei hat die Ermittlungen zur Klärung der Brandursache aufgenommen. Diese erstrecken sich derzeit in alle Richtungen […] Ein politisches Tatmotiv kann nicht ausgeschlossen werden.“

In Erfurt wurde in den letzten Tagen eine Scheibe des Wahlkreisbüros des AfD-Bundestagsabgeordneten Stephan Brandner geschwärzt. Dieser hatte sich nach dem Attentat von Halle mit antisemitischen und rassistischen Tweets hervorgetan, woraufhin der Deutsche Anwaltverein und der Deutsche Juristinnenbund seinen Rücktritt gefordert hatten. Ob die Sachbeschädigung einen (oder diesen) politischen Hintergrund hat, ist unklar.

Erklärungen zu den Sachbeschädigungen auf Indymedia oder anderswo liegen derzeit nicht vor.

Lirabelle ist 20!

Das Erfurter Szeneheftchen „Lirabelle“ hat seine 20. Ausgabe veröffentlicht, die an bekannten Orten in Erfurt und Umgebung zu finden ist … und nun auch im Netz! Wir gratulieren dazu und stimmen dem Redaktionskollektiv dieser Jubiläums-Ausgabe zu, wenn sie im Editorial befinden, dass „unzensierte, anonyme Szene-Zeitschriften nach wie vor wichtig [sind] – um Debatten zu führen, linke Standpunkte zu verbreiten, eine eigene Ästhetik und Diskussionskultur zu entwickeln.“

Mit unserem Online-Blog verfolgen wir als Infoladen bekanntlich ähnliche Ziele und doch ist es eben besonders, ein Heftchen in der Hand zu halten, neben dem Klo liegen zu lassen, es politisch noch nicht „gewonnenen“ Bekannten und Verwandten in die Hand drücken zu können oder es fein akribisch in Stehordnern oder im Schrank sammeln zu können … so, wie wir das auch in unserem Archiv tun. Also herzlichen Dank an die Lirabelle, die uns zur Befriedigung verschiedener Bedürfnisse verhilft und zugleich unsere Lust auf die notwendige gesellschaftliche Veränderung mit jeder Ausgabe nährt!

Hingewiesen sei auf die Lesung von Lirabelle-Leser*innen heute abend 19 Uhr im veto im Rahmen der am 12.10. startenden „Nächste Ecke links – Alternativen Einführungstage in Erfurt“. Es wird aufgerufen, Lieblingstexte zum Lesen vorzuschlagen oder selbst zu lesen, Kontakt via „naeli-ef [ät] riseup [dot] net“

Verspätet: Anti-AfD-Aktionen in Thüringen

Leider durch Missverständnisse verspätet einige Möglichkeiten, diese Woche noch gegen die AfD in Thüringen zu demonstrieren:

Nordhausen, 19.10., 11:00, Bahnhofsvorplatz Nordhausen, „Der AfD den Flügel stutzen“– Demonstration der Antifaschistischen Gruppen Nordthüringen, weitere Infos dazu unter: http://antifa-nth.tk
Passender Regionalzug aus Erfurt: 08:33, Gleis 2 (über Leinefelde)

Ilmenau, 20.10., 12 Uhr, Bahnhofsvorplatz, Infos bei den AGST
Passender Regionalzug aus Erfurt: 10:37, Gleis 7

Erfurt, 26.10., Domplatz, Demonstration „Aufstehen gegen den Rechtsruck“ (noch in Planung, dann Infos bei Auf die Plätze)

Dienstag: Dokumentarfilm zur Geschichte der Roten Zora in der Offenen Arbeit Erfurt


Zur wärmsten Beachtung empfehlen wir den Filmabend, der am 15.10.2019 ab 19:30 Uhr in der Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus) stattfindet. Gezeigt wird die Dokumentation „Frauen bildet Banden – zur Geschichte der Roten Zora“:

Die „Rote Zora“ war in den 1970er und 1980er Jahren eine militante Frauengruppe in der BRD, die sich klandestin organisierte. Entstanden ist die feministische Gruppe aus dem Kontext der Revolutionären Zellen. Ihre Aktivitäten richteten sich u.a. gegen die alltägliche Gewalt gegen Frauen, gegen Gen- und Reproduktionstechnologien, Bevölkerungspolitik und internationale Ausbeutungsbedingungen als Ausdruck patriarchaler Herrschaft. Zentral waren die Selbstermächtigung der FrauenLesben und der Bruch mit der zugeschriebenen Friedfertigkeit.

Erzählungen von verschiedenen Zeitzeuginnen, Interviews mit einer Historikerin und ehemaligen Zoras lassen die Geschichte der „Roten Zora“ und der damaligen Frauenbewegung wieder lebendig werden. Historische Aufnahmen der Frauen- und Studentinnen*bewegung in der BRD bringen Erinnerungen an die damaligen Kämpfe zurück. FrauenLesben aus anderen Ländern berichten über ihre Begegnung mit dieser Politik heute.

Der Film zeigt, dass viele Themen der Roten Zora hoch aktuell sind und bietet viel spannenden Diskussionsstoff zum heutigen Umgang mit dieser Geschichte.

Nach dem Film findet ein Gespräch mit den Filmemacherinnen statt.

Erfurt: 800 feministisch, antirassistisch, klimagerecht für eine solidarische Gesellschaft

Bei strahlendem Sonnenschein sind heute 800 Menschen in Erfurt für eine solidarische Gesellschaft auf die Straße gegangen. Die antirassistischen Forderungen fanden einen starken Ausdruck im Solidarity-Block, der mit einem Schlauchboot und Refugee-Black-Boxes auf die tödliche Situation im Mittelmeer und die rassistischen Zustände in Deutschland aufmerksam machte. Vor der Ausländerbehörde war noch die rote Farbe zu sehen, mit denen Aktivist*innen vor einigen Tagen das Gebäude markiert hatten — das Amt der Unmenschlichkeit, wie es ein Redebeitrag von Decolonize Erfurt auf den Punkt brachte. Vor der neuen Synagoge wurde ein Grußwort des Vorsitzenden der jüdischen Landesgemeinde Reinhard Schramm verlesen, in dem er vor einem Erstarken des Antisemitismus warnte und dabei auch auf die geistigen Brandstifter bei der AfD einging. In gefühlt 20 Redebeiträgen — Omas gegen Rechts, We‘ll come united, Klima-Aktion-Thüringen, Radikaler Regenbogen, FAU, Infoladen und viele mehr — wurde die Wut über die Verhältnisse thematisiert, die verschiedenen Themen der Demo verbunden und das Potential eines gemeinsamen Agierens betont: Klimagerechtigkeit, das hat die KAT in ihrem Redebeitrag sehr deutlich gemacht, lässt sich nur gegen die Herrschaft von Staat, Nation und Kapital durchsetzen. Feminismus muss auch rassistische, transfeindliche, behindertenfeindliche und weitere Diskriminierungsformen mitdenken, so die FIT-Bar. Antirassismus und Antifaschismus darf sich nicht darin beschränken, offene Nazis zu bekämpfen, sondern den völkisch-nationalen Konsens und die Kultur der Ausgrenzung und Abschottung in der sogenannten Mitte der Gesellschaft angreifen. Denn, so Osaren von THE VOICE: We are Fighters — wir kämpfen gegen eine Welt, in der die Einzelnen nur solange Wert haben, wie sie Nation und Standort voranbringen. Mordende Nazibanden treiben diesen Zustand nur auf die Spitze. Gegen das braune Bündnis von Mob und Elite setzen wir auf Solidarität und die Verbindung der Kämpfe — heute, morgen und so lange wir am Leben gehindert werden, wie es ein Redner von Fridays for Future am Ende auf den Punkt brachte. Nicht, ohne dass das Motto „Alles muss man selber machen“ noch in einer kurzen Straßenblockade am Talknoten ihren Ausdruck fand…

Fotos und Redebeiträge zum Veröffentlichen nehmen wir gerne per Mail entgegen.

Erfurt: 200 in Gedenken an Halle und Solidarität mit Kurdistan – morgen 18 Uhr weitere Kundgebung

Rund 200 Menschen haben sich heute auf dem Erfurter Anger zusammengefunden, um ihre Solidarität mit den selbstverwalteten kurdischen Gebieten in Nordsyrien auszudrücken und ihre Wut und Trauer über den antisemitischen Anschlag von Halle zu zeigen. Bei diesem wurden zwei Menschen getötet und zwei weitere schwerverletzt.

Beide Ereignisse machen tendenziell sprachlos, sie zeigen, wie machtlos und unbedeutend unser Eintreten für eine bessere Welt angesichts faschistischer Mörder und staatlich organisierter Mordbanden scheint. Trotzdem haben Einige das Offene Mikrofon genutzt: Eine Vertreterin der Omas gegen Rechts erinnerte an den Schwur von Buchenwald, daran, dass Faschismus und Krieg zusammen gehören und wir moralisch verpflichtet sind, gegen beide einzutreten. Ein Genosse aus dem Irak forderte dazu auf, nicht still zu halten, und jeden Tag gegen Ungerechtigkeit und Rassismus einzutreten. Eine Genossin der Kampagne Alles muss man selber machen sprach von ihrer gefühlten Ohnmacht und einem Weg, sie zu überwinden: Durch Solidarität, dadurch, dass wir gemeinsam für eine solidarische Gesellschaft streiten. Dafür tun wir uns zusammen, dafür gehen wir auf die Straße, konkret schon am morgigen Donnerstag:

10.10.2019, 18.00 Uhr, Anger, Erfurt: Kundgebung gegen den türkischen Angriffskrieg in Nordsyrien

Und am Samstag, 12.10.2019, 13 Uhr, Start Bahnhofsvorplatz „Alles muss man selber machen“-Demonstration