Archiv für Mai 2016

Desertieren! Antimilitaristischer Stadtrundgang und Themenabend

Obwohl seit Januar 2013 die organisierte Tötungsmaschinerie der Bundeswehr von Erfurt aus koordiniert wird ist antimilitaristischer Widerstand hier rar.

Um so erfreulicher ist es, dass sich die Offene Arbeit Erfurt am Donnerstag und Freitag das Desertieren zum Thema macht. Unter dem Titel „Nicht Öl, sondern Sand im Getriebe“ findet am Donnerstag ein Themenabend zur Geschichte des Denkmals für den unbekannten Wehrmachtsdeserteur am Petersberg statt. Das Denkmal wurde in den 1990er-Jahren von einem Bündnis verschiedener antimilitaristischer Kräfte gegen den erbitterten Widerstand des damaligen Oberbürgermeisters Manfred Ruge (CDU) und Teilen der Stadtverwaltung erkämpft, um daran zu erinnern, dass auf dem Petersberg zahlreiche Soldaten erschossen wurden, weil sie sich geweigert hatten, bei vergangenen deutschen Welteroberungsplänen mitzumachen.

Am Freitag findet ab 15.30 ein antimilitaristischer Stadtrundgang statt. Besucht werden militärische Orten und Orte des antimilitaristischen Widerstandes der letzten 25 Jahre. Zum Abschluss findet am Denkmal des unbekannten Wehrmachtsdeserteurs auf dem Petersberg eine Lesung statt.

Donnerstag, 12. Mai. 20 Uhr, Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus) – Themenabend
Freitag, 13. Mai, 15.30 Uhr, Offenen Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus) – Treffpunkt zum Stadtrundgang

„Solidarität, kein Paternalismus“ – ein Kommentar von Sunny Omwenyeke

„Die meisten kritischen linken Stimmen, die traditionell Flüchtlinge unterstützen, sind still geworden. Sie haben sich von der Willkommenskultur einsaugen lassen und waren zu einem Teil davon geworden. Daran änderten sie auch dann nichts, als die Regierung neue Gesetze beschloss, um Flüchtlinge ohne Ankündigung oder auch bei laufender medizinischer Behandlung oder schwerer psychischer Erkrankung abschieben zu können.“
Den ganzen Kommentar von Sunny Omwenyeke, The Voice Refugee Forum könnt ihr hier lesen.

Antifa-Recherche zu „Volksgemeinschaft Erfurt e.V.“

Auf linksunten.indymedia.org sind Recherchen zum Erfurter Nazi-Verein „Volksgemeinschaft e.V.“ veröffentlicht worden. Der 2015 gegründete Verein hat im Plattenbau-Gebiet Süd-Ost eine Immobilie gemietet. Neben dem veranstalten von Konzerten machen die Nazis auf Sozialarbeiter und haben wohl regen Zulauf von Jugendlichen aus dem Viertel. Höchste Zeit mal genauer zu schauen, Wer die Organisatoren und was ihre Aktivitäten sind. Danke an die Verfasser*innen für diese wichtigen Infos!

*News* 8.Mai in Erfurt & 7.Mai in Hildburghausen

Die Europäische Aktion wird am morgigen Sonntag nicht durch Erfurt marschieren. Die Nazis haben sich entschieden nicht gegen das Veranstaltungsverbot der Stadt Erfurt vorzugehen. Leider sind auch alle Gegenaktivitäten zum 8. Mai „Wer nicht feiert, hat verloren“ durch das Bündnis abgesagt worden.
Die Europäische Aktion hat ihren Trauermarsch zum 8.Mai jedoch nach Hildburghausen verlegt unter dem Motto „Trotz Verbot niemals aufgeben“, wo heute das von Neonazis um Tommy Frenck und Patrick Schröder geplante „Rock für Identität“ stattfindet. Die Antifaschistischen Gruppen Südthüringen erwarten bis zu 2000 gewaltbereite Neonazis und raten allen Migrant*innen, Geflüchteten, Antifaschist*innen und Alternativen die Region zu meiden und auf sich aufzupassen. Da zum Nazi-Festival in Hildburghausen kein Essen verkauft werden darf, gibt es in Kloster Veßra eine angemeldete „Kundgebung“, die aus Fressständen besteht. Das bedeutet eben auch, dass Nazihorden durch die Gegend laufen. Heute wird gefeiert und morgen dann getrauert!
Mehr Infos findet ihr unter: http://agst.afaction.info/

Naziangriff aufs AJZ Erfurt am sog. Männertag

Am Donnerstagnachmittag (5.5.16) gab es einen Angriff von ca. 10 Nazis auf das AJZ Erfurt. Zunächst checkte wohl einer der Nazis die Lage und pfiff dann seine Kameraden heran. Die Angreifer, welche zum Teil mit Quarzsandhandschuhen ausgerüstet waren, setzten zunächst massiv Pfefferspray gegen die sich auf dem Hof befindenden Menschen ein, um dann mit Steinen und Flaschen zu werfen. Begleitet wurde der Angriff laut Berichten durch „Sieg Heil“-Rufe. Die Nazis waren nicht vermummt, konnten jedoch in die nahe Straßenbahn flüchten. Andere Teile der Nazi-Truppe blockierten während des Angriffs die Türen der, an der Haltestelle vorm AJZ, wartenden Bahn. Nazis aus dem Kollektiv 56 oder/und dem Nazihool-Spektrum (Jungsturm/KEF) sollen beteiligt gewesen sein. Eine Person schaffte es, sich mit einem Besen gegen die Angreifer zu wehren. Die Folgen: vier Verletzte, zwei von ihnen mit Schnitt- und Platzwunden, eine eingeworfene Scheibe und eine geklaute Lederjacke. Laut Polizei wurde einer der Nazis geschnappt. Nach Presseangaben hat der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen.

erste Stellungnahme des AJZ auf (vorsicht) facebook.
Bericht der TLZ

Jugendblock, Nazis und Protest – Der 1. Mai 2016 in Erfurt

Der diesjährige 1. Mai in Erfurt war vor allem geprägt durch einen kämpferischen Jugendblock auf der traditionellen 1. Mai Demonstration des DGB und durch einen Naziaufmarsch von der Kleinstpartei „Die Rechte“ mit den dazugehörenden Protesten. Dabei kam es immer wieder zu Rangeleien und mehreren Identitätsfeststellungen durch die Polizei. Doch fangen wir am Anfang an.

Unter dem Motto „Wir sind nicht Volk, wir sind Klasse“ riefen insgesamt 10 Jugendverbände zur Teilnahme an einem Jugendblock auf der traditionellen 1. Mai Demonstration in Erfurt auf. Das Ziel war „Widerstand gegen Armut und Ausbeutung – hier und weltweit – auf die Straße tragen“ und gleichzeitig der „völkisch-rassistischen Mobilisierung seitens Teilen der etablierten Politik, der Neo-Nazis und der Neuen Rechten“ entgegenzutreten. Gekommen sind dann mindestens 200 Menschen denen es gelungen ist die reformistische DGB-Demo mit kämpferischen und radikaleren Inhalten zu füllen.

Direkt im Anschluss an den DGB-Aufzug lief der Jugendblock in einer Spontandemo weiter Richtung Startpunkt der Nazis. Herbeieilende Einheiten der Polizei schafften es den Zug trotz entschlossenem Durchbruchsversuch mit Gewalt zu stoppen. Im Anschluss daran wurde ein Teil der Demo für etwa 30 Minuten gekesselt und mehrere Leute brutal einer Identitätsfeststellung unterzogen in deren Folge drei Menschen in Unterbindungsgewahrsam genommen wurden.

Unterdessen versammelten sich bis zu 250 Nazis südlich des Hauptbahnhofes. Optisch war der von Michel Fischer angemeldete Aufmarsch ein Mix aus „Autonomen Nationalisten“, in den 90ern hängengebliebenen Stiefelnazis mit Glatze, Bomberjacke und Springerstiefel und Hitler-Verehrern mit Zwei-Finger Oberlippenbart und Seitenscheitel. Mitlaufende Organisationen waren neben der Partei „Die Rechte“ Vertreter der NPD, die Europäische Aktion, „Nügida“, „Kameradschaft Zweibrücken“ und als „prominenten“ Gast Siegfried Borchardt, auch bekannt als „SS Siggi“.

Als die Nazis losliefen standen bereits mehrere hundert Gegendemonstrant*innen – getrennt durch Polizeiketten und -Autos – an der Aufzugstrecke bereit und empfingen die Nazis mit lauten Parolen und Stinkefingern. Bei einer Zwischenkundgebung in der Bahnhofstraße schien die Situation kurzzeitig zu eskalieren. Die Nazis schmissen Böller und Flaschen in die Reihen der Gegendemonstrant*innen die ihrerseits mit Flaschenwürfen antworteten. Mit Schlagstöcken und Fußtritten hielt die Polizei daraufhin die Nazis in Schach und begleitete sie zu ihrer Abschlusskundgebung auf den Bahnhofsvorplatz. Nach dem Ende der Nazidemo meldete Michel Fischer eine weitere Demo in Weimar an in deren Folge es erneut zu Auseinandersetzungen zwischen Nazis und Polizei kam. Weitere Zwischenfälle sind uns bisher nicht bekannt.

Trotz einer eher laschen Mobilisierung haben mehrere hundert Menschen den Naziaufmarsch nicht unkommentiert laufen lassen. Vor allem durch den Jugendblock auf der DGB Demo aber auch durch ein übergroßes Transparent in der Nähe der Naziroute waren emanzipatorische Kritik an Kapitalismus und Forderungen nach einem guten Leben für alle in der Stadt präsent. Unsere Solidarität geht an alle die von Repression betroffen sind oder noch werden. Meldet euch bei der Roten Hilfe wenn ihr diesbezüglich Post bekommt.

Einen weiteren Bericht gibt es bei Endstation-Rechts. Fotos gibt es hier und hier.


Jugendblock mit Hochtransparent von den Falken


Jusos gegen Nation und Kapital und für alles für alle


Nazidemo und Protest


Nazis aus den 90ern


Hitler: Ist er es oder ist er es nicht?


Bullen beim austeilen – Nazis beim einstecken


Grenzen überwinden – Alles für alle