Archiv für September 2015

Demonstration am Freitag, 02. Oktober, von Geflüchteten aus Eritrea: „Wir wollen Asyl aus politischen Gründen – Warum bekommen wir keine Antwort?“

Geflüchtete aus Eritrea haben sich thüringenweit zusammengeschlossen, um gemeinsam ihre Kritik am (jetzigen und geplanten) deutschen Asylverfahren und die Forderung nach der Anerkennung als politische Flüchtlinge auf die Straße zu tragen. Die Demonstration wird an diesem Freitag, 02. Oktober, um 11 Uhr am Hauptbahnhof beginnen und von dort zum Landtag führen, wo eine Zwischenkundgebung stattfinden wird. Im Folgenden findet ihr den Aufruf zur Demonstration auf Deutsch und Englisch.

Wir sehen uns am Freitag!

Wir wollen Asyl aus politischen Gründen – Warum gebt ihr uns kein Bleiberecht?

Demonstration zum Thüringer Landtag
Datum: Freitag, 02. Oktober
Treffpunkt: Erfurter Hauptbahnhof
Uhrzeit: 11 Uhr

Als wir noch in Eritrea waren, waren wir körperlich im Gefängnis. Bis wir unsere politischen Rechte in Deutschland erhalten, sind wir sogar hier noch seelisch eingesperrt. Das bedeutet, dass wir keinerlei Möglichkeit haben zu lernen oder eine Ausbildung zu machen. Die meisten von uns sind 24 Stunden nur zu Hause, essen, trinken und schlafen nur.
In Eritrea haben keine wirtschaftlichen Probleme, wir haben politische Probleme. Wir brauchen die Gewährung von Asyl schnell, da wir zur Schule gehen und arbeiten möchten. Dafür haben wir aber keine Erlaubnis, weil wir keine Entscheidung vom Bundesamt erhalten. Unsere Hauptforderung ist daher, schnell auf unsere Asylanträge zu antworten und sie zu akzeptieren.
Wir sind gegen das neue Asylgesetz, weil wir gegen das Dublin System sind, welches uns dazu zwingt, unsere Fingerabdrücke im ersten EU-Land abzugeben, das wir betreten. Das neue Gesetz macht es einfach uns dorthin abzuschieben, weil wir nicht mehr über die geplante Abschiebung informiert werden. Auch wollen sie den Menschen, die sie abschieben wollen, kein Geld mehr geben, was sie aber benötigen, um zu überleben.
Wir sind Eritreer. Wir sind keine Einwanderer, deren Identität unbekannt ist. Wir sind keine illegalen Flüchtlinge, wir sind legale Asylsuchende. Die Regeln sind in ganz Deutschland die Gleichen, man muss seine Antwort im Asylverfahren nach 6 Monaten bekommen. Warum passiert das nicht in Thüringen? Wir brauchen eine schnelle Antwort.
Um einen sicheren Ort für uns zu finden, haben wir einen langen, lebensbedrohlichen Weg zurück gelegt, der uns durch die Wüste und durch viele gefährliche Orte geführt hat. Viele unserer Brüder und Schwestern, darunter junge Mütter und Kinder, sind dabei gestorben und sterben noch. Und viele von ihnen werden in Libyen von ISIS geköpft. Außerdem sterben viele im Mittelmeer. All das ist die Folge von unserer Suche nach einem sicheren Ort, um dem diktatorischen System in unserem Land zu entfliehen. Warum schaut die Welt dabei einfach nur zu und warum interessiert das niemand und tut niemand etwas für uns?

Eritreische Geflüchtete aus ganz Thüringen

We are asking asylum for political reasons – Why don‘t we get our right to stay here?

Demonstration to the Thuringian Landtag
Date: Friday, 2nd October
Meeting Point: Erfurt Central Train Station (Hauptbahnhof)
Time: 11 am

When we were in Eritrea we were physically in prison. Until we get our political rights in Germany, even here we are mentally in prison. That means we don‘t get any chance to learn or study. Most of us are staying 24 hours at home, only eating, drinking and sleeping.
In Eritrea, we don’t have economical problems, we have political problems. We need our acceptance fast because we want to go to school and get work. For all this, we have no permission because we have no decision from the Bundesamt. So our main demand is to respond to and accept our application for asylum fast.
We are against the new asylum law, because we are against the Dublin System, which forces us to give our finger prints in the first European country we arrive in. The new law makes it easier to deport us there, because we will get no information about the planed deportation anymore. And also they don‘t want to give the people, who they want to deport, the money they need to live.
We are Eritrean. We are not immigrants whose identity is not known. We are not illegal migrants, we are legal asylum seekers. The rules in the whole of Germany are all the same, you have to get your answer from the Bundesamt after 6 months, why is it not happening in Thüringen? We want a faster answer.
On our way to find a safe place for us, we are coming through the dessert and we are passing several dangerous places, which is life threatening for us. Many of our brothers and sisters, young mothers and children are dying there in the past and now. And many of them are beheaded in Libya by Isis. Furthermore many of our people are dying in Mediterranean Sea. All these things are a result of searching a safe place for us to escape from the dictatorship in our country. Why the world looks at us easily and why is nobody caring and doing anything about us?

Eritrean Refugees from all over Thüringen

Schon wieder Mittwoch: Gegen AfD am Landtag


Für den 30. September ruft die AfD erneut zu einem völkisch-nationalistischen Aufmarsch in Erfurt auf. Diesmal wollen sie sich ab 19 Uhr vor dem Landtag versammeln. Ein Bündnis aus Jugendverbänden und -gruppen ruft zu Gegenaktionen ab 17.30 Uhr ebenfalls am Landtag auf. Achtet auf weitere Ankündigungen!

Update:
Die Gegenkundgebung findet ab 17.30 Uhr in der Jürgen-Fuchs-Straße / Tschaikowski-Straße auf der Südseite vom Landtag statt.

Infos (leider nur) bei Facebook.

Prozessbericht der Soligruppe 1708

Die Soligruppe 1708 hat einen Bericht zum Prozess gegen Stefan am 2. September 2015 nachgereicht. Wir wollen an dieser Stelle darauf verweisen und den Aufruf zu Spenden unterstützen, um die Repressionskosten gemeinsam zu stemmen!

Schon wieder: Kategorie C in der Kammwegklause

Am heutigen Freitag spielt zwischen 18 Uhr und 1 Uhr die rechte Hooligan Band Kategorie C erneut in der Kammwegklause in Erfurt. Zuletzt spielte die Band dort am 10. April diesen Jahres. Weitere Infos findet ihr in einer Mitteilung der Antifaschistischen Koordination Erfurt.

Update:
Laut Twitter hat die Nazi-Hool-Band ihren Auftritt in Erfurt krankheitsbedingt abgesagt. Der Auftritt soll nachgeholt werden.

Rechte Hetze bei AfD Aufmarsch und antirassistische Gegenproteste

Am Mittwoch, 23. September, marschierten am Abend mindestens 2500 Rechtspopulisten, Rassisten und Neonazis durch die Erfurter Innenstadt. Während Medien nach einer Polizeimeldung einheitlich von 5000 auf der AfD Demo berichten sind wir uns mit vielen anderen einig, dass es deutlich weniger waren. Sie folgten einem Aufruf der rechtsnationalen Partei AfD gegen Geflüchtete und die, ihnen nicht restriktiv genug, deutsche Asylpolitik. Zuvor am Nachmittag fand eine antirassistische Kundgebung mit etwa 350 Teilnehmer*innnen gegen die geplante Asylrechtsverschärfung unter dem Motto „Nazis morden, der Staat schiebt ab – gegen völkische Hetze und Festung Europa“ statt. Während des AFD-Aufmarsches gab es drei Gegenkundgebungen. Zwei Blockaden führten dazu, dass der Aufmarsch auf dem Anger endete und nicht wie geplant zur Staatskanzlei durchkam.

Nachmittags: antirassistische Kundgebung gegen völkische Hetze, geplante Asylrechtsverschärfung und Festung Europa

Am Nachmittag hatten sich etwa 350 Menschen auf dem Anger versammelt um gegen die geplante Asylrechtsverschärfung und gegen jeden Nationalismus und Rassismus zu protestieren. Die Kundgebung begann um 16:30 mit einem Redebeitrag vom Infoladen Sabotnik. Daraufhin folgten spontan einzelne Redebeiträge von einigen aus Eritrea geflüchteten Menschen. In diesen wurde u.a. kritisiert, dass ihr Aufenthaltsstatus u.a. aufgrund des Dublin-III-Verfahrens hier nicht gesichert sei, und sie vom deutschen Staat dazu gezwungen seien, seit Monaten in ihren gefängnisartigen Unterkünften vor sich hin zu vegetieren, während ihr Asylverfahren einfach nicht voran ginge. Ein Redner wandte sich an alle Thüringer, lud dazu ein, sich gegenseitig näher kennenzulernen und forderte Unterstützung. „Wir sind alle Menschen. Wir wollen hier arbeiten können und endlich in Frieden leben“, sagte ein anderer Redner unter Beifall. Es folgten Redebeiträge einiger Aktivist*innen der Gruppe Roma Thüringen, die nochmal auf die systematische deutsche Missachtung der Diskriminierung und Verfolgung von Sinti und Roma aus sogenannten „sicheren Herkunftsstaaten“ (u.a. Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Serbien) und auf eine besondere Verantwortung Deutschlands gegenüber Sinti und Roma aufgrund der systematischen Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma im II. Weltkrieg aufmerksam machten. Die Roma-Aktivistin Radmila lud außerdem zur Ausstellungseröffnung am folgenden Tag „ Radmila bleibt! – Alle bleiben!“ in der Offenen Arbeit ein. Schließlich wurde noch ein Grußwort von The Voice Refugee Forum Jena verlesen.

Abends: mindestens 2500 Rechtspopulisten, Rassisten und Neonazis ziehen durch Erfurt

Ab 18 Uhr schlossen sich die meisten Teilnehmer*innen der Kundgebung den Protesten gegen den AFD-Aufmarsch an. Um 17:30 hatten bereits zwei weitere Gegenkundgebungen an der Ecke Regierungsstraße/Malzgasse und am Hirschgarten (Staatskanzlei) begonnen, so dass mehrere hundert Gegenprotestant*innen in der Innenstadt unterwegs waren. Am Bahnhofsvorplatz sammelten sich indessen mindestens 2500 Rechtspopulisten, Rassisten und Neonazis und zogen Richtung Anger los. Die Stimmung war äußerst bedrohlich. Gemeinsam skandierten AFD-Politiker, bekannte Neonazis (u.a. NPD-Umfeld, Identitäre, etc.) und weitere rassistische und rechte Bürger Parolen wie „Wir sind das Volk“, „Volksverräter“, „Abschieben“, „Lügenpresse“ und, besonders perfide, „Nazis raus“. Den Hass, der einem gegen alle, die nicht in ihrer ekelhaften Volksgemeinschaft aufgehen, entgegen schlug, konnte man förmlich spüren. Bereits an der Ecke Juri-Gagarin-Ring / Bahnhofstraße wurde die Masse an stumpfen Patrioten von einigen Antifaschist*innen lauthals begrüßt. Wie letzte Woche begleiteten überraschend wenig Bullen den AFD-Aufmarsch, so dass es bereits dort zu einigen brenzligen Situationen für Antifaschist*innen kam. Der rechte Mob kam schließlich am Anger zum stehen, weil die Route zur Staatskanzlei sowohl in Richtung Angerbrunnen als auch in Richtung Fischmarkt von Antifaschist*innen blockiert wurde. Nach einigen Redebeiträgen, u.a. wieder von AFD-Landeschef Björn Höcke, löste sich der rechte Mob zwischen 19:30 und 20 Uhr auf. Nach der Auflösung waren mehrere Nazi-Kleingruppen in der Innenstadt unterwegs und griffen Gegendemonstrant*innen an. Dabei wurden mehrere Antifaschist*innen verletzt. Wir wünschen allen Betroffenen von rechter Gewalt gute Besserung!

Die AFD hatte letzte Woche angekündet, ihren Rassisten-Marsch gegen Geflüchtete wöchentlich durchführen zu wollen. Heute waren es bereits deutlich mehr Leute als letzte Woche, die sich dem rassistischen Mob angeschlossen haben. Es ist bitter nötig, unseren Widerstand gegen diesen deutschnationalen Haufen weiter auszubauen und gleichzeitig nicht die Abschottungspolitik der BRD ( z.B. die aktuell geplante Asylrechtsverschärfung) aus dem Auge zu verlieren.

Solidarität mit allen Geflüchteten und von Rassismus Betroffenen.
Gegen völkische Hetze, die geplante Asylrechtsverschärfung und Festung Europa.


Antirassistische Kundgebung gegen völkische Hetze, geplante Asylrechtverschärfung und Festung Europa auf dem Anger


Redebeitrag einer Roma-Aktivistin


Transpis auf der Kundgebung


Der rechte Mob zieht durch die Bahnhofstraße, am Rande gibt es Proteste


Der AFD-Landeschef Björn Höcke an der Spitze


Rassisten auf dem Anger


Antifaschistische Blockade verhindert das Weiterlaufen zur Staatskanzlei


Abschlusskundgebung des AFD-Aufmarschs auf dem Anger


Vorne Martin Gärtlein mit Fahne der Europäischen Aktion, dahinter Franz Kotzott (beide Erfurt)


Nazischild „In Dresden fing es an, in Berlin wird es enden!“


Transparent der Identitären Bewegung (IB)

Mittwoch: Gegen Asylrechtsverschärfung und völkisch-rassistische Hetze der AfD

Kundgebung gegen Asylrechtsverschärfung und Rassismus

Am Donnerstag debattiert der Bundestag über drastische Verschärfungen im Asylrecht (Infos bei Pro Asyl). Dagegen rufen wir zu einer Kundgebung auf:

Kundgebung unter dem Motto „Nazis morden, der Staat schiebt ab! Gegen völkische Hetze und Festung Europa!“ am Mittwoch den 23. September um 16.30 Uhr auf dem Anger in Erfurt (vor dem Anger 1).

Den Aufruf zur Kundgebung findet ihr hier. Direkt im Anschluss gilt es dem völkisch-nationalistischen AfD-Aufmarsch entschlossen entgegenzutreten!

Aktionen gegen den AfD-Aufmarsch

Update 23.9.: Die Kundgebung Bahnhofstraße/Juri-Gagarin-Ring wurde nicht genehmigt und hinter die Staatskanzlei Regierungsstr./Malzgasse verschoben.

Ab 18 Uhr will die Thüringer AfD zum zweiten mal gegen Geflüchtete und gegen die Flüchtlingspolitik der Regierung demonstrieren. Letzten Mittwoch folgten ihrem Aufruf über 1000 Nazis und Rassist*innen und es kam zu Übergriffen auf Gegendemonstrant*innen und Journalist*innen. In einem Interview mit Radio Corax sind wir näher auf den AfD Aufmarsch eingegangen. Bei „Thüringen Rechtsaußen“ gibt es außerdem einen Überblick über anwesend gewesene Neonazis. Laut der diesmal angemeldeten Route wollen sie vom Bahnhofsvorplatz über den Anger zur Staatskanzlei laufen.

Gegen den Aufmarsch der AfD sind zwei Kundgebungen angemeldet:

  • ab 17.30 Uhr Bahnhofstraße/Juri-Gagarin-Ring (vor der Deutschen Bank) Regierungsstr./Malzgasse
  • ab 17. 30 Uhr Hirschgarten (an der Staatskanzlei)

Gegen völkische Hetze und Festung Europa! Weitersagen und vorbei kommen!

Aufruf: Nazis morden, der Staat schiebt ab!

Nazis morden der Staat schiebt ab! Gegen völkische Hetze und Festung Europa! Kundgebung am 23.10. in Erfurt

Gegen die geplante Asylrechtsverschärfung, gegen Abschiebungen und rassistische Sondergesetze rufen wir am 23. September ab 16.30 Uhr zu einer Kundgebung auf dem Anger in Erfurt auf. Unter dem Motto „Nazis morden, der Staat schiebt ab! Gegen völkische Hetze und Festung Europa!“ wollen wir dem nationalistischen Treiben widersprechen. Im Anschluss daran gilt es dem rassistischen AfD Aufmarsch entschlossen entgegenzutreten.

Aufruf

Diejenigen Geflüchteten, die es nach einer Reise von tausenden Kilometern über viele Grenzen nach Europa, Deutschland oder Erfurt geschafft haben, werden in den nächsten Monaten ein Asylverfahren durchlaufen, wie es entwürdigender kaum sein könnte. Untergebracht in Lagern, versorgt durch Lebensmittelpakete, in der Bewegungsfreiheit beschränkt durch die Residenzpflicht hängt die Zukunft der Asylsuchenden von der deutschen Bürokratie ab. Diese reagiert auf die zunehmende Anzahl von Geflüchteten in der BRD mit aggressiver Abschreckung und intensivierter Abschottung, wie die temporäre Schließung der Grenzen zu Österreich jüngst gezeigt hat. Dabei reicht die erst im Sommer massiv verschärfte Asylgesetzeslage nicht mehr aus. Auf die nicht autorisierten Grenzübertritte der Geflüchteten wird mit mehr Härte reagiert – bereits am Donnerstag, 24. September soll über einen Gesetzesentwurf diskutiert werden, der das Recht auf Asyl weiter beschneiden soll.

So soll der Rassismus in Gesetze gegossen werden:

  • die Erweiterung der „Liste sicherer Herkunftsstaaten“, ein Freibrief für Abschiebungen in die dort aufgeführten Länder
  • Sonderlager für Menschen aus sicheren Herkunftsstaaten
  • Arbeitsverbot und die Abschaffung aller Sozialleistungen für Menschen, die in einem anderen EU-Land registriert wurden oder nach einem abgelehnten Asylantrag nicht an ihrer eigenen Abschiebung mitwirken – das umfasst auch die medizinische Versorgung
  • die Übertragung von Entscheidungen über die Asylchancen von Menschen an die Grenzpolizei, die sie dann schon an der Grenze abweisen können
  • dass Abschiebungen nicht mehr angekündigt werden

Gerade jetzt, wo tausende Menschen in Ungarn, Kroatien und auf den griechischen Inseln die Mauern und Zäune der Festung Europa einreißen, soll im Inneren aufgerüstet werden. Was am 24. September im Bundestag diskutiert werden soll, bedeutet im Kern, dass Geflüchtete ausgehungert, schikaniert und ausgegrenzt werden sollen, um sie aus Deutschland rauszuekeln.

Unter Anderem richten sich diese Maßnahmen gegen Menschen, die vor Armut und schlechten Lebensbedingungen fliehen. Die Trennung in Armuts- und politische Flüchtlinge übersieht, dass Menschen ihr Land verlassen, weil die halbe Welt damit beschäftigt ist, für den globalen Norden billige Rohstoffe und Konsumgüter herzustellen. Im Falle der Roma wird darüber hinaus deren jahrhundertelange Diskriminierung und Verfolgung in ganz Europa bagatellisiert und die eigene Verantwortlichkeit geleugnet.

Fakten zur Festung Europa

30.000 Menschen sind in den letzten 25 Jahren beim Versuch gestorben, die EU-Außengrenzen zu überwinden. Schon seit 2004 existiert mit Frontex eine paramilitärische Organisation, deren Aufgabe es ist, die EU-Außengrenzen zu sichern. Frontex ist mit verantwortlich für die 30.000 Toten.

Seit dem 30. Juni beteiligen sich zwei Kriegsschiffe der Bundeswehr im Rahmen einer EU-Mission an der Überwachung des Mittelmeer. Ging es bisher nur darum, Informationen über Fluchtwege zu sammeln, soll bald auch geschossen werden. Der bewaffnete Kampf gegen Geflüchtete und die Zerstörung von Booten durch Deutsche Soldaten wurde am 16. September vom Bundeskabinett beschlossen, es fehlt nur noch die Zustimmung des Bundestags.

Die Festung Europa wurde, von Deutschland vorangetrieben, in Kerneuropa beschlossen. Und sich auf dem Rücken von Geflüchteten interessant zu machen können nicht nur Nazis und AfD, das schaffen auch Politiker von CDU, CSU oder SPD. Zum Beispiel wenn sich der Oberbürgermeister der Stadt Erfurt im Sommerloch auf Kosten geflüchteter Kindern zu profilieren sucht, indem er unter anderem fordert, ihnen den Schulbesuch zu verweigern. Gegen Rassismus und Nationalismus vorgehen heißt genauso gegen den deutschen Staat und die Festung Europa zu kämpfen, wie Nazis und Rechtspopulisten entgegenzutreten.

Solidarität muss politisch werden!

Was wir bisher dagegen getan haben, ist nicht genug. Geflüchteten helfen und sich dem offenen Rassismus der AfD entgegen zu stellen ist notwendig. Aber wenn die geplante Verschärfung durchkommt, werden wir die Abschiebungen im Morgengrauen nicht mehr verhindern können. Wenn die Bundeswehr gegen Fluchthelfer ins Feld zieht, sind alle Antirassist*innen im Visier.

Wenn man „Refugees Welcome“ ernst meint, muss es weitergehen:

  • Menschen die fliehen, brauchen Hilfe, um den Weg in die Sicherheit zu finden. Frontex gehört abgeschafft, die damit freiwerdenden Mittel den Menschen zur Verfügung gestellt, die flüchten
  • Menschen, die Grenzen überqueren, müssen nicht genau so gut, sondern besser behandelt werden, als die Rohstoffe und Konsumgüter, die problemlos übers Mittelmeer kommen: Schluss mit der Unterteilung in nützliche und unnütze Migrant*innen, Schluss mit der Unterbringung in Lagern, Schluss mit Lebensmittelgutscheinen, Schluss mit Arbeitsverbot und Residenzpflicht, Schluss mit Rassismus und Abschiebungen
  • Schluss mit dem positiven Bezug auf den Nationalstaat. Die Idee, Menschen nach Völkern, Rassen und Ethnien zu sortieren und darauf zu beharren, dass man das Recht hat, sich abzuschotten und von einem Angehörigen der eigenen Gruppe regiert zu werden, ist eine Scheiß-Idee, die einem Guten Leben zutiefst entgegen steht.

Abschiebungen stoppen – Bleiberecht für Alle!
Schluss mit rassistischen Sondergesetzen – Gutes Leben Für Alle!
Festung Europa einreißen – Offene Grenzen für Alle!

Nazis morden, der Staat schiebt ab! Kundgebung am 23. 9. in Erfurt

Nazis morden der Staat schiebt ab! Gegen völkische Hetze und Festung Europa! Kundgebung am 23.10. in Erfurt

Achtung: wir versuchen gerade die Kundgebung auf den Anger zu verlegen.

Mit dem Wunsch nach einem sicheren und besseren Leben brechen Tausende auf, um den gefährlichen Weg nach Deutschland oder einem anderen europäischen Land anzutreten. Die zum Teil erfolgreiche Einreise hat zuletzt mehrere Risse in die Mauern der Festung Europa geschlagen. Doch die staatlichen Reaktionen sind menschenverachtend und repressiv. In Deutschland werden drastische Verschärfungen im Asylrecht angekündigt und Grenzkontrollen eingeführt. An den Europäischen Außengrenzen werden Zäune gebaut und das Militär eingesetzt. Gleichzeitig brennen fast täglich Flüchtlingsunterkünfte, demonstrieren Nazis und Rassist*innen gegen Geflüchtete und verbreiten menschenfeindliche Hetze. In Erfurt kamen zuletzt über 1000 Nazis und Rassist*innen auf einer von der AfD angemeldeten Demonstration zusammen, aus der heraus Gegendemonstrant*innen und Journalist*innen angegriffen wurden. Für Mittwoch, den 23. September, hat die AfD nun den nächsten Aufmarsch angekündigt.

Gegen die geplante Asylrechtsverschärfung, gegen Abschiebungen und rassistische Sondergesetze rufen wir am 23. September ab 16.30 Uhr zu einer Kundgebung auf dem Anger in Erfurt auf. Unter dem Motto „Nazis morden, der Staat schiebt ab! Gegen völkische Hetze und Festung Europa!“ wollen wir dem nationalistischen Treiben widersprechen. Im Anschluss daran gilt es dem rassistischen AfD Aufmarsch entschlossen entgegenzutreten.

Weitere Infos und ein Aufruf folgen in den nächsten Tagen! Achtet auf Ankündigungen!

Erfurt: 1000 Spießer und Nazis Hand in Hand

Dem Aufruf der AfD zu einer Demonstration gegen Flüchtlinge folgten heute ca. 1000 Menschen nach Erfurt. Die Menge war bunt und vielfältig: Alte Opas, die wahrscheinlich schon mal dabei waren, als das Volk erwachte, empörte Bürger und organisierte Nazis. Gemeinsam ruft man „Wir sind das Volk“ und lauscht verschiedenen Redebeiträgen, die mit der Bezeichnung „Hetze“ gut zusammengefasst sind. Nicht nur die Zusammensetzung der Teilnehmer_innen macht deutlich, dass die Thüringer AfD keine rechtskonservative Partei ist. Björn Höcke sagt ganz deutlich, dass er sich an der Spitze einer völkischen Massenbewegung sieht und fordert die anwesenden Nazis dazu auf, auf der Straße aktiv zu werden. Was das bedeutet, kann man sich denken. Kaum ist die Kundgebung vorbei ist, hört man, dass heimreisende Nazis vermeintliche Gegendemonstrant_innen angegriffen haben. Denn die waren auch da. Mehrere hundert Gegendemonstrant_innen standen um die Nazis drumherum und haben Transparente hochgehalten. Da besteht noch Besserungsbedarf. Nächste Woche will der Volksmob wieder losziehen.
800-1000 Nazis vor der Staatskanzlei in Erfurt
800-1000 Nazis und stramm rechte Bürger_innen vor der Staatskanzlei in Erfurt

Gegendemonstrant_innen Die PARTEI: Heil Höcke
Dagegen: Offene Grenzen für Alle und „Heil Höcke“


Auch dagegen: Fische, Liebe und Pro Asyl.