Archiv für Januar 2012

Neue „Nein“ erschienen

Zeitung Nein, Januar 2012Über ein Jahr wurde sie schmerzlichst vermisst. Jetzt gibt es eine neue Ausgabe des Szene-Blättchens „Nein“. Mit 24 Seiten ist sie leider etwas dünn geraten. Auch befassen sich die insgesamt sechs Artikel zur Hälfte mit Nazis — ein wenig mehr Themen wären nett gewesen. Wenn das kleine Heft inhaltlich nicht gefällt bietet es kleine Origami-Faltanleitungen für verschiedene Modelle an. Hier noch das Inhaltsverzeichnis:

  • Editorial
  • News
  • Heil Hitler 2011
  • Wir haben mehr Fragen als Antworten
  • Gemeinschaftsprojekt Heimatschutz
  • Thesen zum identitätsbewussten Bezug auf Arbeit
  • Nichtmenschliche Mitmenschen
  • Spanische Revolution – das Original
  • Termine

Liegt ab jetzt zum lesen und mitnehmen hier im veto.

Pro Erfurt: mit Vollgas in den Wahlkampf

Mit einer Kundgebung startete heute der Satire-Verein „Pro Erfurt“ seinen Wahlkampf zur Oberbürgermeisterwahl 2012. Gegen 12.00 Uhr sammelten sich die ersten drei Kameraden auf dem Fischmarkt um erst mal eine ganze Weile nichts zu tun. Siegessicher und selbstbewusst bewachten sie, dem Schnee und der Kälte zum Trotz, das Gerippe eines Pavillons und anderes Gerümpel vor ca. 50 anwesenden Antifaschist_innen. Für die sorgte zum Unmut der Kameraden ein Liedermacher mit Akkordeon und ihn begleitende tanzende Menschen für Abwechslung.

Mit Eintreffen der Pavillon-Plane und weiterer Technik gegen 13.00 Uhr wurde dann die erste Hürde an diesem Tag im Kampf für Familie und Vaterland erfolgreich hinter sich gebracht. Die zweite Hürde konnte schneller genommen werden: der Notstromer lief bereits gegen 13.15 Uhr. Die ca. 50 anwesenden Antifaschistinnen und Antifaschisten zollten dieser Leistung gebührend Respekt und klatschten und jubelten begeistert.

Endlich konnte es los gehen. Der erste Redebeitrag bestand aus den Worten „Wir sind Pro Erfurt“ und wurde mit einem Chor aus „Halt die Fresse“ quittiert. Darauf hin gab es Musik. Während es scheinbar unentwegt „Deutschland“ aus den Boxen plärrte machten sich entschlossene Kameraden daran Kontakt mit den Bürgern der Stadt auf zu nehmen und Flyer zu verteilen. Leider sollte dies nicht so richtig funktionieren da eine Gruppe Kritikerinnen und Kritiker den Flyer-Verteil-Trupp stets eng umkreiste. Ein paar Beleidigungen hier, ein paar Beschimpfungen dort und erneut entschlossen vergrub man sich wieder im Pavillon.

Gegen 14.00 kam es zum zweiten und letzten Redebeitrag des Tages. Mit einem kämpferischen „Wir sind Pro Erfurt“ wurde die Kundgebung und damit der Wahlkampfauftakt glorreich beendet.

Fazit: Pro Erfurt sollte im diesjährigen Oberbürgermeisterwahlkampf nicht unterschätzt werden. Mit einer Handvoll verteilter Flyer und den treffenden Redebeiträgen gelang es, im Herzen der Bürger anzukommen. Wenn der Verein dran bleibt und weiter so engagiert arbeitet gelingt es ihm vielleicht die 0,01% Hürde zu knacken.

Mit dem Bus nach Dresden

Bus Tickets für die Fahrt von Erfurt nach Dresden am 13. und 18. Februar 2012
Ab sofort gibt es im Redroxx Bustickets für die Fahrten am 13. und 18. Februar nach Dresden.

Erfolgreich haben wir in den vergangenen zwei Jahren den jährlichen Groß-Aufmarsch der Nazis in Dresden blockiert. Europas größter Nazi-Aufmarsch ist Geschichte, so scheint es. Dieses Jahr rücken nun gleich zwei Termine in den Fokus. Vor allem für den 13. Februar mobilisieren Neonazis zu einem „Fackelmarsch“ durch die Stadt. Dafür wird seit Wochen in der Szene aktiv geworben, mehr als Tausend Neonazis werden erwartet. Ob es auch am 18. Februar zu einem zweiten Aufmarsch-Versuch kommen wird, ist derzeit noch unklar. Eine Anmeldung der Nazis für diesen Tag liegt vor. Daher ruft das „Bündnis Dresden Nazifrei“ sowohl zu dem Aktionstag am 18. Februar als auch zu Protesten am 13. Februar auf, um dem „Fackelmarsch“ entschlossen entgegen zu treten. Die „antifaschistische koordination erfurt“ [ake] organisiert einen Bus für die gemeinsame Anreise am 13. Februar nach Dresden. Der Bus wird in Eisenach starten und Zwischenstopps in Gotha und Erfurt einlegen. Dafür sind ab dem 25. Januar 2012 Tickets gegen eine Spende von 5 € im Jugendbüro RedRoXX.

Für die gemeinsame Anreise nach Dresden am 18. Februar sind abjetzt auch die Bus-Tickets gegen eine Spende von 5 € im Jugendbüro RedRoXX (weitere Orte werden hinzugefügt) erhältlich.

Sex, Ausschlafen, Abenteuer, Raus in die Welt statt Kackstadt — morgen gegen Pro-Erfurt

Familie, Arbeit, Sicherheit, Heimat und Erfurt sind die Ziele des rechtspopulistischen Kleinbürgervereins Pro Erfurt, der morgen, am 28.1., ab 12 Uhr auf dem Fischmarkt über seine Forderungen informieren möchte. Insider vermuten, dass es um kühne Visionen gehen wird: Kürzung der Hundesteuer um 50%, Parkplätze zuerst für Deutsche, kostenlose Jacketts für Ex-Hooligans und die öffentliche Hinrichtung von perversen Sexgangstern sind im Gespräch. Kleine Gesten konstruktiver Kritik sind angebracht.

Am Wochenende mal wieder weg fahren

Am Wochenende finden eine ganze Menge größerer und kleinerer Aktionen statt, bei dehnen es sich lohnen würde mal vorbei zu schauen. Hier eine mit sicherheit unvollständige Auflistung:

Ungehorsam und kollektiver Regelverstoss - Internationaler Kongress in Dresden27. – 29. Januar. Dresden. Internationale Konferenz: Ungehorsam! Disobedience! Ziviler Ungehorsam und Kollektiver Regelverstoß
Aktionen des zivilen Ungehorsams haben weltweit Konjunktur: in Kairo, Madrid, Athen, New York, Frankfurt … überall gehen Menschen auf die Straße. Die Zelte und Platzbesetzungen, die Blockaden und Flashmobs zeigen das unmissverständlich.
Auf dem Kongress in der TU Dresden wollen wir — pünktlich zum Jahrestag der Tahrir-Platzbesetzung in Kairo und, mit Blick auf den Dresdener Nazi-Aufmarsch, zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus — Möglichkeiten zum internationalen Austausch und zur Vernetzung bieten. Infos unter www.ungehorsam-kongress.de.

Den Ball des reaktionären Wiener Korporationsrings (WKR) unmöglich machen27.1. Wien. NO WKR! Den Ball des reaktionären Wiener Korporationsrings (WKR) unmöglich machen
Ausgerechnet am Holocaust Memorial Day, dem 27. Januar 2012, findet in der Wiener Hofburg mit dem 59. Ball des reaktionären Wiener Korporationsrings (WKR) einer der zentralen Events der europäischen Rechten statt. Was auf den ersten Blick wie ein gesellschaftliches Stelldichein in Frack, Schärpe und Schmiss erscheint, hat es tatsächlich in sich: mit diesem Ball gelingt, was sonst Seltenheitswert hat, nämlich der gesellschaftliche Schulterschluss zwischen Neonazis, Burschenschaftern, RechtspopulistInnen und Mitgliedern der etablierten Elite. Infos unter www.nowkr.at.

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland! Demo am 28. Januar in Hamburg28.1. Hamburg. Demo: Der Tod ist ein Meister aus Deutschland!
Am Samstag, 28. Januar 2012 rufen antifaschistische Gruppen, zivilgesellschaftliche Organisationen und Einzelpersonen zu einer überregionalen Demonstration unter dem Motto „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ in Hamburg auf. Sie wollen damit ihr Entsetzen über die rassistischen Morde des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU), ihre Trauer um die Opfer und ihre Wut über die Verstrickung staatlicher Institutionen in die Mordserie auf die Straße tragen. Infos unter: dertodisteinmeisteraus.de.

Demo gegen den Polizeikongress am 28.1.2012 in Berlin28.1. Berlin. Demo: Fight capitalist war! Fight capitalist peace! Gegen den europaweiten Polizeikongress in Berlin!
Anfang bis Mitte Februar trifft sich in Berlin eine Melange aus Bullen, Militärs, Aufstandbekämpfungstrateg_innen und Vetreter_innen der Rüstungs- und Sicherheitsindustrie um sich darüber zu verständigen wie der Pöbel im In- und Ausland kontrolliert und (wenn nötig) niedergeschlagen werden kann und was in Zukunft polizeilich und militärisch nötig sein wird um den Kapital auch in der Krise „sichere“ Verwertungsbedingungen zu ermöglichen. Infos unter www.polizeikongress.tk.

Demo am 28.1.2012 in Frankfurt: STAATLICHE UNTERSTÜTZUNG FÜR NAZIS BEENDEN – VERFASSUNGSSCHUTZ AUFLÖSEN28.1. Frankfurt am Main. Demo: Staatliche Unterstützung für Nazis Beenden – Verfassungsschutz auflösen!
Uns alle hat die rassistische Mordserie des sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) erschüttert und zutiefst empört. Doch leider ist klar, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist: In den letzten 20 Jahren sind mindestens 182 Menschen von Nazis ermordet worden. Polizei und Justiz versuchen dabei fast immer den politischen Charakter dieser Taten zu leugnen und sie zu relativieren. Der Verfassungsschutz, unter anderem von ehemaligen Gestapo-Offizieren aufgebaut, trägt seit Jahren durch die Bezahlung von V-Leuten zur Finanzierung von Neonaziorganisationen bei. So hat allein die Thüringer Naziszene, aus der die „NSU“ hervorgegangen ist, über die Jahre hinweg mehrere hunderttausend Euro erhalten. Infos unter frankfurtermobi.blogsport.de.

Planungstreffen zur Vorbereitung eines Break Isolation! Camps im Sommer irgendwo in Thüringen

Break Isolation!
Das Break Isolation!-Bündnis, The VOICE Refugee Forum und die Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen laden ein:

1. Offenes Planungstreffen zur Vorbereitung des Break Isolation! Camp (im August 2012, irgendwo in Thüringen) am 31.01.2012, um 18 Uhr, im Frei(t)raum (Raum hinter der Cafeteria, neben StuRa, CZS3)

Auf das Karawane-Festival 2010 in Jena folgten eineinhalb Jahre kontinuierlichen Auf- und Ausbaus des Break Isolation!-Bündnisses, die mit dem Aktionstag im Oktober in Erfurt ihren vorläufigen Höhepunkt fanden. Der Zuspruch in Erfurt hat uns darin gestärkt, nun eine weitere große Aktion in Angriff zu nehmen: Vom 23. August bis 2. September werden wir die Isolation der Flüchtlinge dort durchbrechen, wo sie am prägnantesten ist: in der Thüringer Provinz.

Wir laden hiermit alle ein, die die Selbstorganisation der Flüchtlinge unterstützen und bei der Planung, dem Aufbau und/oder der Durchführung des Camps mithelfen möchten. Schwerpunkte in der Vorbereitung werden sein: Organisation, Infrastruktur, Finanzen, Presse-/PR-Arbeit/Mobilisierung sowie die Ausgestaltung des Programms.

Lasst uns für zehn Tage deutlich machen, dass wir keine Grenzen brauchen, niemals rassistische Sondergesetze akzeptieren werden, und nur ein freies und selbstbestimmtes Leben ein menschenwürdiges sein kann!

Download Flyer als .jpg

Weitere Infos unter breakisolation.blogsport.de.

Perspektiven autonomer Politik

AK Wantok: Perspektiven autonomer PolitikDer AK Wantok präsentiert mit dem 2010 im Unrast-Verlag erschienenen Buch „Perspektiven autonomer Politik“ eine umfassende Bestandsaufnahme der aktuellen autonomen Bewegung und ihren Tätigkeitsfeldern. Dabei ist der AK Wantok nicht der Stein der Weisen und trägt auch zu keiner Normierung autonomer Politik bei. Im Gegenteil: in zahlreichen Interviews und Beiträgen kommen unzählige Aktivist_inn_en zu Wort und bringen jeweils eine ganz eigene und persönliche Sicht mit ein. Dies führt auch dazu, dass das Buch nicht langweilig wird.
Eine Definition was autonome Politik genau bedeutet wagen die Autor_inn_en nicht. Zu vielschichtig sind die Theorien und Praxen. Vielmehr umschreiben sie den Gegenstand mit einem „autonomen Thesenpapier“ von 1981, dass 1995 in einer revidierten Fassung veröffentlicht wurde. Politik der 1. Person, kein Parlamentarismus, Ziel ist eine grundsätzlich andere Gesellschaft, dezentrale Gegenmacht von unten, Schaffung von Freiräumen und der Versuch Ansprüche wie Antisexismus und Antirassismus auf sich selbst zu beziehen, sind nur ein paar Stichworte aus dem Inhalt.
Gegliedert ist das Buch in ganze 21 Kapitel. Beispielsweise „Politik und Alltag“, „Freiraumpolitik / Selbstverwaltung“, „Geschlechterverhältnisse“, „Antifa“, „Anti-Imps vs. Anti-Deutsche“ und „Tierrechte“ befinden sich darunter. Abgeschlossen wird das Buch mit einem Thesenpapier des AK Wantok zur Zukunft autonomer Politik.
Die breite Palette an Themen verschafft einen ganz guten Überblick was unter dem Label „Autonom“ heute alles so geht. Auch die historischen Beschreibungen und Herleitungen, wieso dieses oder jenes heute so oder anders diskutiert wird, erlauben einen Einblick in die nun doch schon 30 Jahre alte Bewegung. Dabei können die meisten Themen und Diskussionen leider nur angerissen werden, was die Autor_inn_en mit Weiter-Les-Empfehlungen am Ende jedes Kapitels auszugleichen versuchen.
Verschiedene Spannungsfelder fallen beim lesen immer mal wieder ins Auge. Zum Beispiel scheinen die Fragen nach dem Verhältnis von Theorie und Praxis, Individualität und Kollektivität und Szenepolitik und gesellschaftliche Verankerung zentral zu sein.
Das Buch scheint gerade für neue Aktivist_inn_en interessant zu sein, da viele „Standards“, die in der Szene oft vorausgesetzt werden, leicht und verständlich erklärt und beschrieben werden. Außerdem erleichtern es die zahlreich dargestellten Themenfelder sich selbst innerhalb der Szene zu positionieren.
Doch auch für Leute die schon länger dabei sind bietet das Buch seinen Reiz. Eine Analyse des Ist-Zustandes kann einer Reflexion, Neubestimmung und Neuausrichtung der eigenen Aktivitäten dienen. In jedem Fall wird ein Blick über den eigenen kleinen Tellerrand ermöglicht.

AK Wantok, Perspektiven autonomer Politik steht ab jetzt in der Bibliothek des Infoladens unter der Signatur DIV22.

Jena: Aktionen gegen Polizeigewalt auf Demo zum Gedenken an Oury Jalloh

Kundgebung wegen Polizei-Gewalt auf  Oury Jalloh Soli-Demo
Gestern Nachmittag demonstrierten in Jena 200 Menschen gegen die brutale Polizeigewalt auf einer Gedenkdemonstration für Oury Jalloh in Dessau. Einen kurzen Bericht gibt es bei der OTZ und einen Videobeitrag von den Filmpiraten:

Dresden, Buchvorstellung und Aftershow

Nach derzeitigem Kenntnisstand wird es am 18. (und 11.) Februar 2012 keinen Nazi-Großaufmarsch in Dresden geben. Wie zuletzt 2007 verzichten die Nazis auf den Aufmarsch an einem Wochenendtermin in der Nähe des 13. Februar. Dieser nationalsozialistische Rückzug ist Ergebnis entschlossener antifaschistischen Praxis.

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Buchforstellung und Infoveranstaltung in ErfurtDie Antifaschistische Koordination Erfurt lädt unterdessen am 2. Februar um 20.00 Uhr in die Offene Arbeit Erfurt zu einer Buchvorstellung mit anschließender Infoveranstaltung.
Vorgestellt wird das Buch „Antifa – Geschichte und Organisierung“ das ihr übrigens auch in der Bibliothek des Infoladens findet. Abschließend gibt es aktuelle Informationen über die geplanten Proteste gegen den Nazi-Aufmarsch 2012 in Dresden, Rechtshilfe-Tipps von der „Roten Hilfe“ sowie Bus-Tickets für die gemeinsame Fahrt nach Dresden. Abgerundet wird das ganze mit Kaltgetränken die es zu erwerben gibt.

Weitere Infos zu der Veranstaltung bei der Antifaschistischen Koordination Erfurt.