Archiv für November 2011

Kritische Männerforschung in Weimar

Vöiig vergessen haben wir, zeitiger auf diese Veranstaltung, die morgen in Weimar stattfindet, hinzuweisen:

Männer als Opfer? Gewalt als Teil männlicher Identität
Welche Vorstellungen verbinden sich mit den Begriffen „Männer“, „Opfer“ und „Gewalt“? In welchem Ausmaß widerfährt Männern Gewalt und wie wird sie „erlebt“? Wie verhält es sich mit Scham und Tabu beim Thema Gewalt gegen Männer? Wie prägt Gewalt die Vorstellungen von Männlichkeit, die Selbst- und die Fremdwahrnehmung von Männern? Wie lässt sich Gewalt eingebunden in Machtverhältnisse begreifen?

Der Referent Ludger Jungnitz ist Mitarbeiter des Dissens e.V., der sich seit vielen Jahren aus einer patriarchatskritischen Perspektive mit Männlichkeit auseinandersetzt. Die Veranstaltung findet am 30.11.2011 um 19.00 Uhr im Neuen Atelierhaus, Erfurterstraße 33a, Weimar statt.

150 gedenken in Erfurt

Ca. 150 Menschen haben heute in Erfurt den Opfern der rasistischen und rechtsextremen Gewalt gedacht, die in den letzten Wochen publik geworden sind. Obwohl in der Lokalpresse und bei Landeswelle geworben wurde — letztere hatte sogar behauptet, das Land Thüringen sei Veranstalter — ist es nicht gelungen, im Wettbewerb der Städte um die größte Betroffenheit zu punkten. Zwei Stunden Redebeiträge sorgten nicht für allzugroße Begeisterung. Aber man konnte sehen, wie die versammelte Politikprominenz mit steinernem Gesicht die Forderung der Antifa nach Kommunismus zur Kenntnis nahm — im Hintergrund ein Kreuz aus Kerzen und ein Transparent der evangelischen Kirche.

Ergänzung: Die „für den Innenminister sicherlich schwer erträgliche Rede“ (TLZ) der Antifaschistischen Gruppen Südthüringen findet man hier.

Bis was passiert interessiert es kaum!

Lea Stein und Madlen Warskow haben für das ART.NordThüringen einen Beitrag zu der aktuellen Debatte um den „Rechtsterrorismus“ verfasst und weisen darin auf eine lange Kontinuität und vor allem auf die Rolle der NPD hin. Der Beitrag ist auch als Diskussionsbeitrag gedacht, weshalb sich die Autor_innen über eine inhaltliche Reaktion freuen.

Bis was passiert interessiert es kaum!

Völlig überrascht scheinen die Deutschen derzeit von den Ereignissen rund um die Zwickauer Terrorzelle. Es scheint fast so, als ob man die jahrelange Berichterstattung und das Warnen kaum zur Kenntnis genommen hat. Klar ist: Eine derartige Qualität rechts-terroristischer Aktivitäten ist in der Tat in der bundesdeutschen Geschichte einmalig.

Ein Beitrag von Lea Stein und Madlen Warskow, für das ART.NordThüringen

Bereits seit den frühen 70er Jahren gab es genügend Anzeichen für ein derartiges Potential in der extremen Rechten. Nicht nur, dass sich die extreme Rechte durch ihre menschenverachtende Ideologie, welche besonders durch ihren Militarismus den Nährboden einer Radikalisierung bildet, auszeichnet, auch zahlreiche Waffen und Sprengstofffunde seit mehr als 40 Jahren – vor allem bundesdeutscher Geschichte – zeigten immer wieder, welche Absichten hier verfolgt werden. Dabei ist durchaus von einer Kontinuität rechts-terroristischer Aktivitäten zu sprechen, wenn auch nicht immer in Form von langfristig bestehenden Terrorzellen.

Weiterlesen bei ART.NordThüringen.

Bilder aus dem Wendland

Die Filmpiraten berichten zeitnah von Aktionen gegen den momentan laufenden Castortransport nach Gorleben:

Update 16. November 20 Uhr:
Angriff der Polizei auf Camp Metzingen

Am Vorabend der voraussichtlichen Ankunfts des Castor-Transportes im Wendland unternimmt die Polizei eine “Steifenfahrt” mit schweren Gerät durch die Dorfstraße des widerStand-Nestes Metzingen. Dabei stürmten die Polizisten durch die Straße und prügelten auf jedeN der ihnen in den Weg kam. Ein Wasserwerfer schoss wild um sich. Anwesende Presseleute wurden an ihrer Arbeit gehindert.

Barrikaden+Schottern zur Rallye Monte Göhrde

Zum 7. Mal fand nun schon die Rallye Monte Göhrde statt. Kurz vor der Ankunft des Castortransportes im Wendland durchstreiften Hunderte den Wald Göhrde, durch den unmittelbar die Castorstrecke führt, um das Gebiet kennenzulernen und die Polizei in ihrer Kondition noch vor Ankunft an ihre Grenzen zu bringen. Barrikaden und Schottern inklusive.

Räumung Blockade Metzingen

Am 24.11.2011 fand der traditionelle Laternenumzug gegen den bevorstehenden Castortransport in Metzingen statt. Im Anschluss wurde symbolisch die Bundesstraße blockiert. Die Polizei räumt mit Wasserwerfern die Blockade.

Gemeinsames GeDenken am Montag in Erfurt

Zahlreiche Einzelpersonen rufen für Montag den 28. November um 16 Uhr zu einem gemeinsamen GeDenken im Erfurter Hirschgarten auf.

Wir trauern um die Ermordeten. Ihrer zu gedenken verlangt es, Ihnen ihre Namen und Geschichte zurückzugeben. Wir gedenken Enver Simsek und Abdurrahim Özüdogru aus Nürnberg, Süleyman Tasköprü aus Hamburg, Habil Kiliç aus München, Yunus Turgut aus Rostock, Ismal Yasar aus Nürnberg, Theodoros Boulgarides aus München, Mehmet Kubasik aus Dortmund, Halil Yozgat aus Kassel und Michèle Kiesewetter aus Heilbronn und aller Menschen, die in den letzten Jahren Opfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt geworden sind.

Wir sind zutiefst entsetzt über das jetzt bekannt gewordene Ausmaß des neuen nationalsozialistischen Terrors, das auch das Versagen der Sicherheitsbehörden, gerade auch in Thüringen, vor Augen geführt hat.

  • Gedenken verlangt Denken.
  • Gedenken verlangt präzise Aufklärung aller Zusammenhänge dieser Mordtaten und ihres rechtsextremistischen Umfeldes.
  • Gedenken verlangt, Verantwortung zu übernehmen und Alltagsrassismus an allen Stellen und zu jeder Zeit wahrzunehmen und öffentlich zu benennen.
  • Gedenken verlangt, Rechtsextremismus und Rassismus auf allen gesellschaftlichen Ebenen entschieden entgegenzutreten.

Alle Unterstützer_innen und weitere Informationen gibt es bei gedenkenthueringen.wordpress.com.

Georg Kreisler ist tot

„Es gibt drei Hauptgründe, warum ich Feinde habe: Erstens bin ich Jude, zweitens bin ich niemandem verantwortlich und drittens habe ich Talente.“
Georg Kreisler auf http://www.georgkreisler.de

Georg Kreisler war Liedermacher und Schriftsteller. Mit dem Anschluss Österreichs musste er 1938 in die USA flüchten. In den 1950er-Jahren kam er zurück nach Europa und schrieb neben seiner Tätigkeit als Musiker zahlreiche Bücher und Theaterstücke. Durch seine provokanten und anarchistischen Texte hat er sich überall die richtigen Leute zum Feind gemacht. Gestern verstarb Georg Kreisler.

Krieg beginnt hier – Bus zur Demo gegen die Petersberg II Konferenz

Proteste gegen Petersberg II
Krieg beginnt hier - Make Imperialism History

Vom 3. bis zum 5. Dezember 2011 werden sich die in der NATO und westlichen Koalition zusammengeschlossenen Kriegsparteien in Bonn treffen. Diese „Petersberg II“ genannte Konferenz verhandelt Gegenwart und Zukunft des besetzten Landes und behandelt Afghanistan wie ein Protektorat. Verschiedene Organisationen und Bündnisse mobilisieren zu einem breiten Protest gegen dieses Gipfeltreffen.

Wer gemeinsam aus Erfurt zur Demo gegen die Kriegskonferenz am 3. Dezember nach Bonn fahren möchte sollte sich schnellstmöglich bei Karin Schrappe, Mitarbeiterin im Weimarer Europabüro von Gabi Zimmer (europabuero-gabizimmer@t-online.de – Tel. 03643/80155, Fax 03643/805177) anmelden. Wenn genügend Anmeldungen eingegangen sind stellt der Landesvorstand DIE LINKE einen Bus der am 3.12.2011 um 5 Uhr ab dem alten Gewerkschaftshaus, Juri-Gagarin-Ring 150, in Erfurt losfährt.

Weitere Informationen zu den Protesten gibt es bei afghanistanprotest.de und bei der Interventionistischen Linken.

Silvio Meier – ermordet vor 20 Jahren

Heute vor 20 Jahren wurde Silvio Meier in Berlin von Nazis ermordet. Silvio war Hausbesetzer und Aktivist der Offenen Arbeit in Berlin. Nach dem Mord fanden bundesweit Demonstrationen und Mahnwachen statt. Auch in Erfurt, wo am 27.11. demonstriert wurde. Das Mobilisierungsflugblatt, dass auch bei der Kundgebung verteilt wurde, könnte man zum Teil genau so heute wieder verteilen: „Überall, auch in Erfurt, werden Menschen Opfer faschistischer Gewalttaten. Von den herrschenden Politikern wird rechts und links gleichgesetzt, bzw. versucht den politischen Hintergrund zu vertuschen“.

Die im Flugblatt angesprochenen „Eier auf Weizsäcker“ beziehen sich darauf, dass der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker bei einer Demonstration gegen Ausländerhass — das sagte man damals, wenn man meinte, daß Nazis MigrantInnen umbringen — am 8.11.1992 in Berlin von Autonomen mit Eiern beworfen wurde. Nachdem die Politik mit einer Anti-Flüchtlings-Kampagne den rechten Terror der Nach-Wende-Zeit erst so richtig angefacht hatte, nahm man es der politischen Klasse nicht ab, daß sie ernsthaft gegen Rassismus eintreten würde.

Das Ak.Kraak-Antiquariat hat ein Video der damaligen Demo:

Video der VS/Antira/Antifa-Kundgebung in Erfurt

Schneller als der Verfassungsschutz erlaubt haben die Filmpiraten ein Video über die gestrige Kundgebung „Verfassungsschutz auflösen! Rassismus bekämpfen! Den antifaschistischen Selbstschutz organisieren!“ produziert: