Archiv für November 2010

Werbung auf ehemaligem Topf & Söhne- Gelände in Erfurt

Auf einen skandalösen Umgang mit der Geschichte des ehemaligen Topf & Söhne Geländes weist die Kampagne „Hände Hoch – Haus Her“ hin. Wir dokumentieren eine Pressemitteilung:

„Vergessen lohnt sich!“ und „Heute billig einkaufen, wo im Nationalsozialismus Leichenverbrennungsöfen für Buchenwald und Auschwitz hergestellt wurden“ so titelte ein Flugblatt, das die ehemaligen Besetzer_innen mehrfach auf dem ehemaligen Topf & Söhne Gelände verteilten. Seit einigen Monaten ist das Gelände in Erfurt nun von fünf Verkaufsgeschäften besetzt.
Wie um die Satire zu bestätigen und die Parole der Firma Topf & Söhne „Stets gern für Sie beschäftigt“ noch zu übertrumpfen, werben nun Gartencenter und Bäckerei mit ihrer Lage „auf dem ehemaligen ‚Topf & Söhne‘– Gelände“. Die Bäckerei schreibt: „…, um so stets den höchsten Ansprüchen gerecht zu werden.“ und wirbt mit „… Kuchen, der gerade so verführerisch duftend aus dem Ofen kommt?“. Das Gartencenter hingegen überschreibt eine komplette Werbeseite mit „Alles für die Grabgestaltung“ und bietet besonders billige Grablaternen, Grabvasen und Grableuchten an.

Dies zeigt auf, wie unreflektiert und unsensibel der Umgang mit dem Geschichtsgelände und dem Täterort immer noch ist. „Wir empfinden diese heutige Werbung auf dem Gelände als Verhöhnung der Opfer.“, so Luise Käfer, Sprecherin der Kampagne „Hände hoch, Haus her. Für ein selbstverwaltetes Zentrum in Erfurt“.

Die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Geländes war einer der wichtigsten Aspekte der Besetzung des Geländes, die im April 2009 durch eine Räumung beendet wurde. Damit wurde entschieden, das Geschichtsgelände, auf dem „deutsche Wertarbeit“ ihre schlimmsten Auswirkungen zeigte, wieder der Verwertungslogik zu überlassen. Dies führt nun zu einer Situation, in der die angesiedelten Firmen der Vermarktung des Geländes eine höhere Priorität einräumen, als einer Auseinandersetzung mit der Geschichte des Geländes.

Die Kampagne „Hände hoch – Haus her. Für ein selbstverwaltetes Zentrum in Erfurt

Flugblatt, der ehemaligen Besetzer_innen:
    

Werbung der betreffenden Firmen:
      

Das Wochenende in Thüringen: Uneingeladener Besuch in Gerstungen, Antifa in Vacha

Zwei Meldungen auf Indy zu einem ereignisreichen Wochenende:

Anarchist Resistance Wartburgkreis berichtet über den Protest gegen Nazis in Vacha. Zwar waren nur ca. 80 Leute gegen die Nazis auf der Straße, es gelang aber die noch viel kleinere Nazi-Kundgebung zu stören den Aufmarsch durch eine Sitzblockade zu behindern.

No Lager Halle berichtet hier über zwei unangenehmen Besuchsgruppen im Flüchtlingslager in Gerstungen: Gegen Mittag des 5.11. wollten Nazis in der Unterkunft rassistische Flugblätter verteilen, was durch Flüchtlinge und UnterstützerInnen verhindert wurde.
Gegen 17 Uhr kam der Thüringer Innenminister Huber ins Lager und machte sich mit Hilfe seiner Schergen (Lagerleitung und Ausländerbehörde) ein Bild von der Lage. Eine gemeinsame Besichtigung des Heimes mit den BewohnerInnen lehnte der Huber ab, dafür gab es später eine Audienz, wobei seine Majestät vorzugsweise Kinder und Einzelpersonen empfangen wollte.

Zum Castor wird an dieser Stelle in den nächsten Tagen (hoffentlich) noch was kommen.

Radikal werden


Bild geklaut aus dem Comic „A People’s History of American Empire: A Graphic Adaptation“ von Howard Zinn, Paul Buhle und Mike Konopacki, Text grob übersetzt.

Nazis wollen Flüchtlingslager in Westthüringen besuchen

Wie The VOICE hier meldet, wollen Thüringer Neonazis morgen ein Flüchtlingslager in Gerstungen (Westthüringen) besuchen. Für die Flüchtlinge, die dort eingesperrt sind, ist dieser Besuch nur eine Zumutung mehr: Schon seit Jahren fordern sie aufgrund der desolaten Zustände im Heim eine Einzelunterbringung.
Mehr zum Lager bei The VOICE.
Den Besuch der Nazis gilt es trotzdem zu verhindern.

Erinnern an die Reichspogromnacht in Weimar

Für den 9.11. ruft ein lockerer Zusammenschluss aus Weimarer Antifaschist_innen zu eine Kundgebung auf dem Theaterplatz auf:

Wie auch im vergangenen Jahr haben wir, ein lockerer Zusammenschluss aus Weimarer Antifaschist_innen, beschlossen eine Kundgebung zum Gedenken an die Reichspogromnacht zu organisieren. Dieses mal jähren sich die grausamen, im Volksmund häufig als „Kristallnacht“ bezeichneten Stunden zum 72. mal. Sie gelten als entgültiger Beginn der Shoa, dem Völkermord an den Juden, der 11,4 Millionen Opfer forderte. In jener Nacht brannten in etlichen deutschen Städten Synagogen, jüdische Betstuben und Geschäfte, unzählige jüdische Friedhöfe und Wohnungen wurden angegriffen, viele Juden und Jüdinnen ermordet und dies alles vor den Augen Millionen deutscher Bürger, die sich, anstatt dafür zu sorgen, dass das grausame Spektakel endlich ein Ende hat, selbst an den „Krawallen“ beteiligten oder wenigstens sprachlos zusahen. Auch in Weimar hat es übrigens Pogrome gegeben …
Weil der 9.November in Deutschland allerdings kollektiv als „Tag des Mauerfalls“ gefeiert wird, gerät das Gedenken an die Vorfälle des 9.11.1938 häufig in Vergessenheit. Ein weiterer Grund, Präsenz zu zeigen, ist der weltweit ausgeprägte und in unzähligen Köpfen verankerte Antisemitismus, gegen den es alltäglich anzukämpfen gilt.
Am 9.November möchten wir an die Reichspogromnacht erinnern. Beteiligt euch und kommt zwischen 15 und 19 Uhr auf den Theaterplatz in Weimar!
Gegen jeden Antisemitismus! Nie wieder Deutschland, nie wieder Faschismus!

[weiter auf http://erinnernandiereichspogromnacht.blogsport.de/]

Castor-Mobilisierungs-Videos von der BI und Castor Schottern

Anbei drei Mobilisierungsvideos zum diesjährigen Castor, zwei von der BI Lüchow-Dannenberg und eins von Castor schottern: