Archiv für April 2010

Happy Birthday April

Wir haben in diesem Beitrag behauptet, daß nach der Zahltag-Veranstaltung im Café April am vergangenen Montag sei spontan eine Party gestiegen. Wie wir mittlerweile wissen, ist das nicht wahr. Das Café April hat am 12. April ganz regulär sein einjähriges Bestehen gefeiert. Das haben wir nicht mitbekommen — wir haben uns ganz naiv gefreut, daß es Essen, Bilder und Musik gab.
Etwas verspätet wollen wir hiermit zum Einjährigen gratulieren und geloben, in Zukunft genauer zu recherchieren.

Rundgang über das ehemalige Topf&Söhne-Gelände

Genau 1 Jahr nach der Räumung des Besetzten Haus Erfurt fand heute ein Rundgang über das ehemalige Topf&Söhne-Gelände statt. Schon seit 2008 hatte es keinen solchen mehr gegeben, weil mit dem Beginn der Bauarbeiten das Gelände nicht mehr zugänglich war.

Sorbenweg in Erfurt - vor dem Verwaltungsgebäude von Topf&Söhne
Der Sorbenweg in Erfurt – vor dem Verwaltungsgebäude von Topf&Söhne

Der Rundgang beginnt im Sorbenweg — früher Station 1 des nun unter frischem Asphalt begrabenen Rundgangs, der hier online zur Verfügung steht. Von hier aus sieht man das ehemalige Verwaltungsgebäude. Dort soll ab 27. Januar 2011 die Dauerausstellung Techniker der „Endlösung“ gezeigt werden. Die ReferentInnen des heutigen Rundgangs sprechen über die frühe Firmengeschichte der Ofenbauer von Auschwitz und kritisieren das Erinnerungskonzept der Stadt: „Die riesige Industriebrache und die vielen historische Mauern haben das Ausmaß der Erfurter Beteiligung am Prozess der Vernichtung viel deutlicher gemacht, als das einzelne Steelen und eine Ausstellung im Verwaltungsgebäude können.“

Denn wo genau die Verladerampe oder die Zwangsarbeiterbarracken gestanden haben, kann man sich heute nur noch schwer vorstellen. Wir stehen irgendwo zwischen den Stationen 2 und 3 des Rundgangs und erfahren, daß die Techniker der Vernichtung mitnichten überzeugte Nationalsozialisten gewesen sind. Vielmehr haben sich Leute wie der leitende Ingenieur Kurt Prüfer dem Grauen von der rein technischen Seite angenähert. Die Frage, wie man möglichst viele Körper in möglichst kurzer Zeit in Asche verwandelt, war für ihn ein interessantes technisches Problem. Nicht nur in Erfurt, auch auf Montage in Auschwitz hat er ein erstaunliches Talent darin bewiesen, dieses Problem zu lösen, ohne seine moralischen Implikationen zur Kenntnis zu nehmen und die angemessenen Konsequenzen daraus zu ziehen.

Früher Zwangsarbeit, heute Gartenmarkt auf dem ehemaligen Topf und Söhne-Gelände in Erfurt
Früher Zwangsarbeit und Technik der Vernichtung, heute Gartenmarkt

Ungefähr vor dem Gartenmarkt befand sich früher die Montagehalle. Der Rundgang widmet sich hier den ZwangsarbeiterInnen, die auf dem Gelände vernutzt wurden. Es geht auch um die KPD-Betriebsgruppe und ihr Versagen. Es steht fest, daß die Gruppe gewusst hat, was bei Topf&Söhne hergestellt wird. Die KommunistInnen haben es geschafft, im Untergrund weiter zu arbeiten und die ZwangsarbeiterInnen zu unterstützen. Gegen die Technik der Vernichtung haben sie nichts unternommen.

Blick vom früheren Eingang des Besetzten Hauses auf dem ehemaligen Topf &Söhne-Gelände auf die nicht mehr vorhandene Schlosserei
Blick von der früheren Toreinfahrt in Richtung wo unser Haus stand

Der Rundgang endet nach einer knappen Stunde dort, wo früher das Hauptgebäude der Besetzung — darin auch der Infoladen — gestanden hat. Was auf dem Gelände zwischen 2001 und 2009 stattgefunden hat, ist für viele Teilnehmer_innen nichts Neues. Trotzdem wird es hier nochmal erwähnt.

Am Ende wird dort, wo unser Haus stand, noch einmal Musik abgespielt. Eine stellt Blumen hin. Einer erzählt, daß er einen guten Teil seiner Jugend hier verbracht hat. Es sei schon ein bedrückendes Gefühl, heute auf dem Parkplatz zu stehen. Auf die Frage, was er sich heute wünscht, antwortet er: „Daß ganz, ganz viele Leute am Samstag zur Demo für ein neues Zentrum kommen“ — ein Wunsch, dem wir uns nur voll und ganz anschließen können.

Dort wo unser Haus stand, stehen heute wenigstens mal Blumen
Wo unser Haus stand, stehen heute ausnahmsweise mal Blumen

Es waren gezählte 70 Leute jeden Alters auf dem Rundgang. Zwei Mitglieder des Förderkreis Topf&Söhne betrachteten das Geschehen zusammen mit der Polizei aus der Ferne.

Erfurt: Radfahrn für ein selbstverwaltetes Zentrum


Wenn 40 Fahrradgocken läuten, ist das in der Erfurter Innenstadt nicht mehr zu überhören. Rund 40 Menschen bildeten an diesem Donnerstag einen Flashmob der besonderen Art: Gemeinsames Radfahren für ein autonomes Zentrum. Kaum war die Soundanlage in einem Kinderanhänger versteckt, ging es los Richtung Innenstadt. Vorbei ging es an der Polizeidirektion, am Rathaus, dem Anger bis zum Hauptbahnhof. Lautstark wurde mit Klingeln und Sprechchören auf das Fehlen eines selbstverwalteten Zentrums aufmerksam gemacht. Der Polizei ging das jedoch zu weit. Gemeinsames Radfahren in Erfurt – das darf nicht sein, vor allem nicht in der Bahnhofsunterführung . Kurz nachdem der Flashmob den Hauptbahnhof passierte, rannten Polizeibeamte brüllend dem Flashmob entgegen und warfen jedeN vom Fahrrad, den sie kriegen konnten. Einige Beamte wahren so engagiert, daß sie noch hundert Meter einigen Radfahrern hinterher sprinteten. Ob das polizeiliche Taktik war oder ob die Beamten überarbeitet und nicht mehr zurechnungsfähig sind, lässt sich abschließend nicht genau klären. Den vom Rad gezerrten sprachen die BeamtInnen Verwarnungen aus und drohten an, im Wiederholungsfalle die Fahrräder zu beschlagnahmen.

Morgen (Freitag) geht die Aktionswoche der Kampagne Hände hoch – Haus her weiter mit einer Führung über das ehemalige Topf&Söhne-Gelände, Treffpunkt 17 Uhr am ehemaligen Verwaltungsgebäude am Sorbenweg.

Ergänzung: Indymedia-Artikel hier.

Erfurt: Auszubildende auf Häufchenkontrolle

Erfurt - Puffbohnenmetropole - Landeshauptstadt von Thüringen - immer einen Ausflug wertEine neue Kampagne zur Optimierung von Sicherheit und Sauberkeit hat sich die Landeshauptstadt Erfurt ausgedacht. Wie die TA hier berichtet, wurden Auszubildende der Stadt zu „Sauberkeitsengeln“ ernannt und verteilen in der Innenstatdt Hundekottüten. Damit sollen HundehalterInnen animiert werden, sich mehr um die Kacke ihrer Hunde zu kümmern.

Man muss anerkennen, daß diese Kampagne wenigstens nicht wie die umstrittene Innenstadtordnung allein auf Repression setzt. Welchen Lerninhalt die Häufchenkontrolle allerdings für die städtischen Auszubildenden haben soll, erschließt sich nicht. Soll die nächste Generation von Stadtbediensteten möglichst anschaulich lernen, daß man von bestimmten BürgerInnen eh nur Scheiße zu erwarten hat?

In Berlin hatte eine GRÜNEN-Politikerin kürzlich vorgeschlagen, Harz4-EmpfängerInnen für den Einsatz gegen Hundehaufen zu verpflichten. Vielleicht könnten auch einfach mal diejenigen, die am lautesten nach Sauberkeit schreien, Häufchen wegräumen gehen, statt Lehrlinge oder Arbeitslose vorzuschicken.

Wir schaffen Arbeitsplätze!

Die OTZ berichtet:

Thüringen fehlen Bereitschaftspolizisten
[..]Erfurt. Die Thüringer Polizei war nach Angaben des Innenministeriums im Vorjahr überdurchschnittlich gefordert: Bekämpfung der Rockerkriminalität, Absicherung von Gerichtsverfahren, hoher Kräfteaufwand bei Fußballspielen. Aber auch die Räumung des besetzten Hauses in Erfurt, der Besuch von US-Präsident Obama sowie diverse rechtsextreme Veranstaltungen samt Protestdemonstrationen führten dazu, dass häufiger Beamte anderer Bundesländer in Thüringen aushelfen mussten, als dass Polizisten des Freistaates dort im Einsatz waren. […] Wir müssen ernsthaft über eine dritte Einsatzhundertschaft nachdenken, sagte der innenpolitische Sprecher der mitregierenden SPD-Fraktion.

Erfurt: Polizeibesuch nach „Zahltag“-Veranstaltung

Am 12. April fand im Café April eine Veranstaltung der Kampagne Hände hoch-Haus her mit der Initiative Zahltag statt.

Nach der Veranstaltung wurde spontan Musik aufgelegt, Essen serviert und Lichtbildkunst an die Wände geworfen. Gegen 02:00 Uhr entschied die Bereitschaftspolizei, daß so viel Spontaneität in Erfurt nicht möglich ist. Ca. 20 BeamtInnen stürmten das „April“, nahmen die Personalien aller Anwesenden auf und durchsuchten die Räume. Weiter forderten sie die Anwesenden zum Gehen auf — womit die Veranstaltung zu Ende war.

Schon in der Nacht zum Sonntag kam es nach dem Händehoch-Konzert im Klanggerüst zu einer völlig überzogenen Polizeikontrolle auf der Magdeburger Allee — mit Knüppel- und Pfeffersprayeinsatz und einigen Ingewahrsamnahmen. In der Vorwoche hatte die Bereitschaftspolizei bei einem nächtlichen Großeinsatz alternative Jugendliche vom Venedig — ein Platz an der Gera unweit der umkämpften Krämerbrücke — vertrieben.

Alternative Soziokultur hat es also nach wie vor schwer in Erfurt.

Aber jetzt erst recht: Am Samstag ab 14.00 Uhr (Treffpunkt Bahnhofsvorplatz) für selbstverwaltete Zentren demonstrieren.

Probesitzen und anderes in Erfurt

Neben dem Volksbegehren für eine bessere Familienpolitik in Thüringen, dem World Wildlife Funds und einer Backwarenkette hat heute die AG Rechtsextremismus des Bürgertisch für Demokratie in Erfurt demonstriert. Unter dem Motto „Probesitzen“ wurde für die geplanten Blockaden am 1. Mai in Erfurt geübt. Zu Ausschreitungen kam es nicht — die Polizei war nicht vor Ort.

Hausbesetzungen in Erfurt

Wie angekündigt kam es Heute in Erfurt zu Hausbesetzungen. Momentan sind mehrere Häuser besetzt: ein Haus in der Schillerstraße, das „Haus der Volkssolidarität“ in der Thälmannstr. und ein Haus in der Schmidtstädterstr. Außerdem ist seit 14.00 Uhr ein Haus an der Ecke Regierungsstr./Lutherstr. besetzt.

Einen Live-Ticker gibts unter: haendehoch.blogsport.de

Erfurt: Ausstellung und Veranstaltungsreihe zu Militärjustiz

Vom 11. April bis zum 5. Juni findet in der Erfurter Peterskirche die Wanderausstellung ‚“Was damals Recht war …“. Soldaten
und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht‘ statt. Begleitend finden die folgenden Veranstaltungen statt:

22.4., 19.30, Begegnunsstätte Kleine Synagoge
Das letzte Tabu. NS-Militärjustiz und »Kriegsverrat«
Mehr bei der Landeszentrale für Politische Bildung (68kb PDF)

29.4., 19.00, Begegnunsstätte Kleine Synagoge
Der unbekannte Wehrmachtsdeserteur – Lokale Spurensuche und das Erfurter DenkMal
Mehr beim DGB-Bildungswerk Thüringen

9.5., 14.00, Treffpunkt Rathaus/Fischmarkt
Stadtrundgang Krieg und Frieden – Hinführung zur Ausstellung
Mehr beim DGB-Bildungswerk Thüringen

20.5., 19.00, Begegnunsstätte Kleine Synagoge
Die strafrechtliche Aufarbeitung von Verbrechen der Wehrmachtsjustiz in der SBZ/DDR
Mehr beim DGB-Bildungswerk Thüringen

30.5., 17.00, Denkmal für den unbekannten Wehrmachtsdeserteur auf dem Petersberg
Tapferkeit für das Leben. Gedenkveranstaltung mit Texten und Musik

Weiter wurde die vergriffene Broschüre „DenkMal für den unbekannten Wehrmachtsdeserteur. Dokumentation einer Erfurter Initiative“ als Kopie neu aufgelegt und kann beim DGB-BWT bestellt werden.

Abschließend erfolgt der letzte Aufruf für aktuellen praktischen Antimilitarismus: Heute marschiert die Bundeswehr ab 17 Uhr in Gera auf — hoffentlich nicht ungestört.